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Leben in Portugal Rentner in Portugal

Der Traum vom Leben in der Sonne im Süden ist für viele leider erst realisierbar, wenn sie in Rente sind. Man kauft oder mietet sich ein Haus oder Ferienwohnung und genießt seinen Ruhestand, während man seine Rente auf das deutsche Konto überwiesen bekommt und weiterhin seinen Wohnsitz in Deutschland behält. Unabhängig von der Frage, ob und wie man in Portugal steuerbegünstigt leben kann (siehe diesen Artikel residente non habitual), sollte sich jeder Rentner, der in Portugal lebt bzw. beabsichtigt, hier zu leben mit folgenden Gesetzesgrundlagen vertraut machen:

Es ist leider ein Irrglaube, sich das "Steuerland" über den Wohnsitz "aussuchen" zu können. Der Eindruck entsteht auch vielleicht mit deshalb, weil im Forum immer wieder davon gesprochen wird, dass die Steuerpflicht auch mit der beim Finanzamt hinterlegten Steueradresse zusammenhängt. Das ist zwar richtig, aber nur die "halbe Miete". Entscheidend ist rechtlich vielmehr, wo sich der Lebensmittelpunkt befindet und den definiert der portugiesische Staat, (und auch die EU) wenn sich ein Bürger länger als 183 Tage im Jahr im Land aufhält. Damit ist er auch automatisch mit seinem Welteinkommen dort steuerpflichtig. Warum ist das so?

Als EU-Bürger haben Sie das Recht, sich überall in Europa aufzuhalten. Sie müssen jedoch bei der zuständigen Gemeinde nach 3 Monaten Ihren Wohnsitz anmelden, wenn Sie Ihren bisherigen Wohnsitz aufgegeben haben. Wenn Sie länger als 183 Tage im Land sind ist eine "Residência" beantragen, also Ihr Aufenthaltsrecht. Siehe auch unseren Artikel "Wohnort / Aufenthalt anmelden"​

Welche Konsequenzen hat das nun für Ihre Krankenversicherung und Ihre Rente​

Zunächst einmal verbleibt Ihre gesetzliche Krankenversicherung grundsätzlich in Deutschland. Um sich in Portugal behandeln zu lassen, benötigen Sie einen Cartão de Utente beim örtlichen Centro de Saude
Ihre Rente wird Ihnen auf ein Konto Ihrer Wahl, auch z. B. auf Ihr portugiesisches Konto überwiesen. Das Doppelbesteuerungsabkommen verhindert, dass Ihnen bei der Besteuerung Nachteile entstehen.

Alle weiteren Infos finden Sie bei der Deutschen Rentenversicherung in dieser Broschüre


Da das alles schon oft verwirrend ist, deshalb ein paar Beispiele aus der Praxis:



Ich habe ein Haus /Ferienwohnung in Portugal, bin aber noch in Deutschland gemeldet​

Wenn Sie länger als 183 in Portugal verweilen, müssten Sie sich - streng genommen - hier anmelden. Es wird im Regelfall jedoch nicht weiter auffallen, wenn Sie immer wieder mal in Deutschland sind, z. B. um die Kinder zu besuchen. Damit verbleibt alles so, wie es ist, wenn Sie beim portugiesischen Finanzamt Ihre deutsche Wohnanschrift hinterlegt haben. Ihr Lebensmittelpunkt ist dann nach wie vor in Deutschland. Das wird auch akzeptiert, weil Sie das nachweisen können (dort sind die Kinder/ Familie / Haus Wohnung usw.)


Ich habe meinen Wohnsitz in Deutschland abgemeldet​

Dann müssen Sie sich innerhalb von 3 Monaten in Portugal anmelden und nach 6 Monaten Residência beantragen. Ihre Steueradresse beim Finanzamt ist jetzt automatisch die portugiesische. Zuständig für Ihre Rentenzahlungen ist jetzt zentral für alle im Ausland lebenden Deutschen das Finanzamt in Neubrandenburg. Im Regelfall also wenn Sie keine weiteren Einnahmen im Ausland erzielen, verbleibt die Versteuerung nach dem Doppelbesteuerungsabkommen in Deutschland und Ihre Rente wird so behandelt, als ob Sie weiterhin in Deutschland leben würden, nur jetzt nicht mehr beim zuständigen Finanzamt Ihres ehemaligen Wohnortes.

Erzielen Sie in Portugal aber weitere Einkünfte z. B. aus selbständiger Arbeit, bzw. hatten Sie schon Einkünfte vorher aus anderen EU-Ländern, wo Sie Rentenansprüche haben, so ist Ihr zuständiges Finanzamt ebenfalls Neubrandenburg und von hier aus wird Ihnen Ihre Rente aus Deutschland jetzt steuerfrei überwiesen, weil Sie dann in Portugal Ihre deutsche Rente als Einnahmen voll versteuern müssen. Sie zahlen normalerweise in Portugal mehr Steuern, als wenn Sie in Deutschland weiterhin steuerpflichtig wären.

Überwinterer in Wohnmobilen​

Da diese sich im Regelfall keine 183 Tage im Land aufhalten und der Lebensmittelpunkt und der Wohnort in Deutschland ist, bleibt alles so, wie es ist. Die Anmeldung bei einem Aufenthalt über 3 Monate geht automatisch über den Campingplatz.
Über den Autor
Wolfgang
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