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Carnaval 2012 - Enterro do Bacalhau

Kennt ihr "Enterro do Bacalhau"? Ich habe es bis vorgestern nicht gekannt.

Am Aschermittwoch wird in vielen Gemeinden Portugals gegen die Kirche protestiert, die in der Fastenzeit-Quaresma- das Fleischessen verbietet. Am Abend des Aschermittwochs wird der Bacalhau- begleitet von Trauernden, die Klagelieder singen beerdigt.

Bei uns findet es in dem Dörfchen Melides statt. Wir werden es uns mal anschauen.

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boah das ist ja ne gruslige stimmung...

aber schöner brauch.
"gegen die kirche", sagst du?
und das im katholischen portugal...:rolleyes:
 
Ja, ich war auch baff. Vielleicht wissen ja hier die Portugiesen mehr zu berichten. Ich habs auch nur so aus dem Bericht vom YoutubeFilm übernommen. Wir werden uns es auf jedenfall anschauen. ICh werde berichten.
 
Hm... ich hatte bis gerade noch nie etwas davon gehört. :nono:
Aber Doris, bist du dir sicher, dass diese "Beerdigung des Bacalhau" wirklich heute, am Aschermittwoch, stattfindet? Denn ich hab gerade etwas recherchiert, und dabei nur Infos gefunden, dass es am Ostersamstag stattfindet... :noplan:

Laut der Quellen geht diese Tradition auf das 16. Jahrhundert zurück - zu Zeiten der Gegenreformation. Die katholische Kirche reagierte damit auf die von Martin Luther und Johannes Calvin initierten Reformationen und versuchte im Zuge des Konzils von Trient ihre ursprüngliche Macht zurückzugewinnen. Dabei wurde auch das Fleischessen während der ganzen Fastezeit komplett verboten und von der Inquisition auch sehr vehement verfolgt. Allerdings konnte man sich davon "freikaufen" - was sich aber nur die Reichen leisten konnten. Die restliche Bevölkerung musste sich diesem Verbot wohl oder übel beugen und durfte nur auf Fisch zurückgreifen. Der einzig leistbare Fisch war eben der Bacalhau (deswegen galt Bacalhau wohl auch lange Zeit als der 'Fisch der Armen" und "Freund des Volkes"...), der auch noch den Vorteil hatte, lange haltbar zu sein. Also entwickelte man Tausend verschiedene Arten, den Bacalhau zuzubereiten... er wurde zum absoluten Retter der Armen. Nur... 40 Tage lang sich ausschließlich von Bacalhau ernähren zu müssen, ist auch für Portugiesen recht hart... ;) Deshalb entstand auch ein "espírito de revolta" (Widerstand?) gegen diesen Zwang und auch vor allem gegen den Bacalhau.

In diesem riesigen Laien-Straßentheater - was "Enterro do Bacalhau" offensichtlich ist - wird der Bacalhau angeklagt und zum Tode verurteilt. Dabei handelt es sich eben auch um einen Protest gegen die Kirche und das bestehende System (Salazar hat diese Tradition auch verboten).
In einem Video habe ich auch eine "Predigt" gefunden, bei der gesagt wird, "der Premierminister hätte das Fleich essen strikt verboten... allerdings könne man sich "freikaufen, indem man die Hälfte des "Salário Mìnimo" zahlt..." :D


Quellen:
O ENTERRO DO BACALHAU
Enterro do bacalhau - Wikipédia
[DLMURL="http://www.jf-pampilhosa.pt/index.php?option=com_content&view=article&id=54&Itemid=68"]O “Enterro do Bacalhau” - Junta de Freguesia Vila de Pampilhosa[/DLMURL]
O ENTERRO DO BACALHAU - Crónicas de um tempo passado [Blog]
 
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Fast hätte ich es vergessen... DANKE, Doris... für das "Auffinden" dieser abgefahrene Tradition!!! :hugs:

Und hier noch ein Video dazu:

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... und Danke Eli, für die ausführlichen und sehr informativen Erläuterungen.
Bisher kannte ich nur aus den Karnevalshochburgen in P, BR (?) und D "Enterro do Entrudo", bzw. die Nubbel- oder Hoppeditz-Verbrennung am Karnevalsdienstag.
Die Tradition Enterro do Bacalhau scheint mir hingegen eine einzigartige - lustvolle und wirksame (sonst hätte Salazar es nicht verboten) - Protestform zu sein!

Hat diese Tradition eine regionals Begrenzung oder kann man sie in ganz Portugal finden?
 
Hm... ich hatte bis gerade noch nie etwas davon gehört. :nono:
Aber Doris, bist du dir sicher, dass diese "Beerdigung des Bacalhau" wirklich heute, am Aschermittwoch, stattfindet? Denn ich hab gerade etwas recherchiert, und dabei nur Infos gefunden, dass es am Ostersamstag stattfindet... :noplan:

Hallo Eli,
danke für Deine ausfühliche Information. Ich habe es auch so verstanden, dass es am Ostersamstag stattfindet.

Gut, ich habe mal hier auf die Insiderinformationen der Nachbarn gehört, und wir waren gestern in Melides.

Es sollte zwischen 20.00h und 21.00h losgehen. Da wir ja nun auch schon etwas portugiesisch angehaucht sind,fuhren wir erst um 20.20h los in der Annahme noch gemütlich im Dorfcafé, neben der Kirche, eine Bica zu trinken und auf die Trauergemeinde zu warten.

Wir kamen also um kurz nach halb 9 im Örtchen an, alles dunkel, nix spielte sich um den Kirchplatz ab. Auto geparkt, ausgestiegen, und irgendwie kamen wir uns sehr alleine vor. Ingolf guckte rechts, ich links und dann meinte ich Trommeln zu hören. Also muss irgendwo was sein. Ich ging ins Café und fragte nach dem Enterro do Bacalhau. Ja, meinte die Besitzerin, die sind schon unterwegs in den Gassen. Dann sind wir beide losgelaufen, immer den Trommeln entgegen. Auf einmal sahen wir Lichter und hörten Gejammer und immer diese Trommeln. Es war soooooooo unheimlich. Ingolf hatte dann die Idee, dem Zug über eine anderen Gasse einfach entgegen zu laufen, und das goldrichtig so. Die klagende Gemeinde kam uns entgegen, und wir mischten uns einfach darunter, und das Unheimliche wurde für uns auf einmal ein ganz amüsantes Spektakel.

Nur, im Sarg lag kein Bacalhau, sondern eine Puppe.

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Hallo Doris,

Du hast den typischen Enterro do Entrudo (Symbol des Karnevals) erlebt.
Auf diese Puppe werden alle im Karneval begangenen Sünden abgeladen und mit ihr verbrannt.
Als ich das zum ersten Mal in meinem Dorf erlebt habe, kamen sofort massive Heimatgefühle (Köln) auf. Eigentlich herrschte kein Unterschied in der Ritualen hier und dort.
Übrigens habe ich dabei auch Leute vom Enterro do Bacalhau reden gehört.
Ich nehme an, dass im südlichen Küstenstreifen - mit viel frischem Fisch und einer weniger dominanten Kirche - die Protesttradition nicht so stark war und es deshalb mit den Begriffen eher durcheinander ging (geht).
 
Hallo Doris,

Du hast den typischen Enterro do Entrudo (Symbol des Karnevals) erlebt.
Auf diese Puppe werden alle im Karneval begangenen Sünden abgeladen und mit ihr verbrannt.
Als ich das zum ersten Mal in meinem Dorf erlebt habe, kamen sofort massive Heimatgefühle (Köln) auf. Eigentlich herrschte kein Unterschied in der Ritualen hier und dort.
Übrigens habe ich dabei auch Leute vom Enterro do Bacalhau reden gehört.
Ich nehme an, dass im südlichen Küstenstreifen - mit viel frischem Fisch und einer weniger dominanten Kirche - die Protesttradition nicht so stark war und es deshalb mit den Begriffen eher durcheinander ging (geht).

Hallo Cristof,
ich sehe das genauso wie Du.

Doch früher, als der Bacalhau noch günstig zu haben war, hat man diese Prozession auch mit Bacalhau gemacht. Habe gestern hier in unserem Dorf mit einer 80 jährigen Frau gesprochen, die mir das bestätigt hat. Das Begräbnis wurde am Meer vollzogen, und man hat den Sarg mit dem Bacalhau ins Meer georfen. Spaß hatten sie daran, dass er durch die Wellen immer wieder zurück kam. Diese Tradition gibt es aber leider schon länger nicht mehr.
 
so, und wer es sehen mag, mein versuchter Film. War nicht so einfach im Dunklem. Das weinende Kind, ist ganz einfach nur eine Tröte. ;)

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Danke, Doris. :) War das Ganze eher eine "Prozession" oder hatte es auch Elemente einer "Gerichtsverhandlung"? Aber eigentlich macht es mehr "Sinn", an Aschermittwoch eben diese Puppe - auf die man alle im Karneval begangenen Sünden abladen kann - und mit ihr zu verbrennen. Und wenn man die Hintergründe zum "Enterro do Bacalhau" kennt, macht es mehr Sinn, dies am Ostersamstag zu machen. :hum:

Hat diese Tradition eine regionals Begrenzung oder kann man sie in ganz Portugal finden?

Keine Ahnung... Ich werde mal meine Eltern und die restliche Verwandschaft "interviewen", ob sie schon mal was von dieser Tradition gehört haben oder sie vielleicht sogar kennen...

Im Netz habe ich nur gefunden, dass "Enterro do Bacalhau" im Örtchen Soutocico (im Distrikt Leiria) zum ersten Mal 1938 aufgeführt wurde. Und dass es in Pampilhosa diese Tradition auch gibt, wo sie zum ersten Mal 1903 stattfand. Außerdem scheint es keine Regelmäßigkeit dabei zu geben.
Aber ich bleibe dran! :pirat:

Bjs, Eli


Edit: Eigentlich kann ich ja mit Karneval nicht wirklich was "anfangen" (okay... bis auf den in Salvador/Bahia - aber das ist da auch was völlig anderes) - so als "norddeutsche Portugiesin"... ;) aber so alte Traditionen - die scheinbar auch noch einzigartig sind - finde ich einfach klasse und spannend! :cool:
 
Fasching zu Grabe tragen hat in Bayern auch eine lange Tradition. In Franken am Faschingsdienstag zu Aschermittwoch. Um Mitternacht verstummt um 24 Uhr schlagartig die Musik und ein "Sarg" (meistens eine wasserdichte Schubkarre - oder noch früher eine Zinkwanne) wird feierlich von einem verkleideten Pfarrer angeführt durch die Saal- Reihen gefahren. Dabei wird dem in dem Schubkarren liegenden Faschingsprinzen das letzte Bier oder der letzte Wein als Opfergabe heulend hinein geschüttet. Dazu singt die "Gemeinde" die Melodie der englischen Nationalhymne mit dem Text "Blutwurst und Sauerkraut".

Nach dieser Zeremonie geht alles nach Hause, der Fasching ist vorbei.
 
Meine Mutter kennt aus Kindertagen auch den "Enterro do Entrudo".
Aus ihren Erzählungen wurde klar, dass es 2 varianten gab. Die eine als eine Art "Gerichtsverhandlung" wo der Entrudo als Sklett evtl. Bekleidet mit einem schwarzen Tuch gerichtet wurde. Die andere wurde er direkt beerdigt.
Allerdings weiß sie nicht mehr wann das statt fand.
 
Zu Elis Frage, ob es mehr eine "Prozession" oder auch Elemente einer "Gerichtsverhandlung" hatte, kann ich echt nichts sagen. Für mich war das irgendwie nur Spaß. Was ich nicht verstanden habe, dass sie bei dem ein oder anderem Haus angehalten haben und immmer wieder das gleiche gesagt haben. So ungefähr: eine camada merda para O José .......

Auf jeden Fall wurde der Karneval beerdigt.

OFF: und am Donnerstag hatte der Lidl Ostereier ;)
 
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