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[Perspektive Portugal] Wegweiser

Hinter der Aussage, Portugal habe Schulden in Höhe von 120 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verberge sich im „Klartext 120 Prozent dessen, was in einem Jahr produziert wird“, kommentiert Rogério Gomes, Präsident des Instituto do Território, die oft zitierte statistische Größe. Das bedeute: „Portugal wird zwanzig Jahre brauchen, um die Schulden abzuzahlen, selbst wenn wir es schaffen, ein Jahr ohne Defizit abzuschließen.

Derzeit bemüht sich das Land, sein jährliches Defizit auf drei Prozent zu senken. Wer andere Perspektiven vorzeichne, der gehe offenbar davon aus, dass „wir plötzlich auf Gold oder eine Ölquelle stoßen“, sagte Gomes, dessen Institut seit Anfang 2012 besteht und die Ressourcen des Landes erforschen und Wege finden soll, sie im Rahmen der Raumordnung nachhaltig wirtschaftlich zu nutzen.


Auf diesem Hintergrund rät Gomes, der auch Professor für Recht und Umweltwissenschaften ist, die Kompetenzen der kommunalen und regionalen Organe zu erweitern. Das Gefälle zwischen Stadt und Hinterland nehme zu; die Städte müssten mehr Verantwortung für die Entwicklung ihres Umlandes übernehmen. Da die nicht rückzahlbaren EU-Fördergelder für Portugal vermutlich nach 2020 enden werden, gelte es, jetzt alle „Chancen zu nutzen, um wirkliches Wachstum zu erreichen“. Die Mittel der letzten drei EU-Beihilfezyklen seien nicht zweckmäßig genutzt worden: „Viel Geld kam ins Land, Projekte wurden entwickelt und Portugal ist trotzdem bankrott“, so Gomes. Nun müsse dezentral die marktfähige Produktion in den Unternehmen gefördert und die kommunale und regionale Ebene für diese Gestaltung und Entscheidungen gestärkt werden.

Wirtschaftsminister Álvaro Santos Pereira wirbt derweil für eine Wiederbelebung von Landwirtschaft und Industrie. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, sondern uns auf das besinnen, was wir schon immer getan haben“ erklärte er mit dem Hinweis auf die „Zeit im Land bis 1990“. In Portugal habe sich zu lange die Ansicht durchgesetzt, Landwirtschaft sei „nicht sexy und nur etwas für Länder, die nicht so nobel sind wie wir“. Doch nur mit der Rückbesinnung auf alte Stärken könne das Land aus der Krise finden; dazu gehöre auch eine verstärkte technische und berufsschulische Ausbildung und eine engere Bindung der Schulen an die Unternehmen.

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