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[TD="class: tr-caption, align: center"]Halloween im Supermarkt: Die Maske ist aufgeklebt[/TD]
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„Recht ist schlecht und schlecht ist recht, fein ist faul und faul ist fein“: Das Leitmotiv der drei Hexen in Shakespeares Tragödie Macbeth liegt auch in manchen Verwünschungen, die zu Halloween in Portugal in einem sehr volkstümlichen Kult um die Hexerei anzutreffen sind und den Spuk an vielen Orten deutlich vom US-amerikanischen Vorbild unterscheidet.
Die Nacht zum 1. November gilt in der Hexenmythologie als Neujahrsnacht. Im portugiesischen Novembernebel erwachen Bilder und Riten eines uralten Aberglaubens. Bei Ausgrabungen in der Algarve wurden Utensilien aus Hexenkulten gefunden.
Diabolische Suppen, faules Brot, Hähnchen à la Beelzebub – dämonische Mahlzeiten sind jetzt oft anzutreffen. Aber auch fröhliche Veranstaltungen gehören zur Magie, wie etwa bei Professor Herrero, einem Wahrsager im Algarve. Er überbringe eine„entmystifizierende Botschaft“ für die, die mit „den Geistern des Aberglaubens leben“.
Hinter Hokuspokus, Handlesen und der Kunstfigur „Professor Herrero“ verbirgt sich der Parapsychologe Dagoberto Cabrita de Campos. Er kennt auch die Hexenmythologie in der portugiesischen Volksseele: „Lusitanier kennen Jahrtausende alte Anbetungsrituale, die die vergleichsweise junge katholische Kirche aufgesogen hat“.
Magier sind dabei nicht nur 'Rosa Maldosa' (die böswillige Rita) und 'Rita Maldita' (Rita, die Verdammte), auch Männern wird die Fähigkeit zugesprochen, im Guten wie im Bösen beschwören und verwünschen zu können, und das in praktisch jeder Alltagssituation, ganz ohne „Donner, Blitz oder Regen“, die die Schicksalsschwestern in Shakespeares vierhundert Jahre altem Bühnenklassikers für ihre Zusammenkünfte brauchen.
In seinem Theaterstück „E até o padre foi à bruxa“ („Selbst der Pfarrer ging zur Hexe“) zerstreut João Bezerra den Zweifel, Katholizismus und Aberglaube vertrügen sich nicht. „In Portugal ist beides möglich“, versichert Bezerra. In seinem satirischen Stück rät die Besitzerin einer Wäscherei problembeladenen Kunden zum Besuch einer Hexe, deren Haus nur mit dem Taxi zu erreichen ist. Der Taxifahrer ist der Mann der Zauberfrau. Der Ortsgeistliche kann sich dem Treiben nicht entziehen, schließlich verdienen alle vier. Bezerras Theatergruppe zeigt auch Passionsspiele. Hexenglaube sei aktuell, und zwar nicht nur auf dem Land: „Professoren, Ärzte, Politiker und andere seriöse Krawattenträger sind häufige Kunden bei Hellsehern und Beschwörern.“
Beschwörungs-Szenen wie bei Macbeth, Fragen nach der Vorbestimmung, der Gedanke, Menschen könnten ihr Schicksal durch Taten beeinflussen, sind teilweise erhalten.
Die Malerin und Autorin Magarida Tengarrinha befasste sich Jahrzehntelang mit Sitten und Bräuchen ihrer algarvischen Heimat und fand Hexen- und Aberglauben, der bis heute lebendig ist. Tengarrinha erzählt von einer jungen Frau, die zutiefst erschrak, als sie Olivenöl mit Salz vermischt auf dem Boden vorfand. Hineinzutreten hätte laut Überlieferung das schlimmste vorstellbare Unheil gebracht, obwohl offensichtlich war, dass die unappetitliche Masse nicht durch Zauberei an die Türschwelle gekommen war.
Flüche und Verwünschungen sind vor allem in Orten zu finden, in denen Fischer lebten. Die alten Männer nehmen Verdammungen noch immer ernst und hören vieles ungern, was Jüngeren und Ortsfremden harmlos erscheint. Der Schrecken liegt für Traditionsbewusste gerade darin, dass eben nichts Abstraktes heraufbeschworen wird, sondern dem Gegenüber Dinge gewünscht werden, die ebenso vorstellbar wie unangenehm sind: „Du sollst Fieber bekommen, dass deine Gürtelschnalle schmilzt“. Attribute geben Hinweise: Wer sich vor Hexenwerk und bösem Blick schützen will, pflanzt Rosmarin an der Eingangstür.
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[TD="class: tr-caption, align: center"] Was den einen erschreckt, ist für den anderen erholsam [/TD]
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Die Existenz des nicht mystisch verbrämten, volkstümlichen Hexenkultes hier zu Lande wird oft damit begründet, es habe in Portugal während der 285 Jahre währenden Inquisition fast keine Hexenverbrennungen gegeben. Tatsächlich waren es weniger als anderswo: 26 Frauen endeten wegen Hexerei auf den Scheiterhaufen, ermittelte der Historiker Agostino Borromeo in alten Kirchenbüchern. Die höchste Quote in der Hexenverbrennung erreichte Deutschland: 25.000 Frauen wurden hingerichtet.
Moderne Ethnografen meinen, die Halloweenfeiern seien eine Folge des Golfkriegs 1991, dem in Europas Karnevalsmetropolen das Faschingstreiben zum Opfer fiel. Im Herbst wurde die ungestillte Gier nach der Verkleidung nach US-Vorbild nachgeholt und seither gehört die zweite Jahrescamouflage zum festen Kalender, auch in Portugal.
Mit dem Hexentag zum Ende des Oktobers ist der Spuk aber nicht vorbei: Am 16.November widmet sich der Ritus dem mythologischen „Erlöschen des Tageslichts“.Dieser Link ist leider nicht mehr erreichbar
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[TD="class: tr-caption, align: center"]Halloween im Supermarkt: Die Maske ist aufgeklebt[/TD]
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„Recht ist schlecht und schlecht ist recht, fein ist faul und faul ist fein“: Das Leitmotiv der drei Hexen in Shakespeares Tragödie Macbeth liegt auch in manchen Verwünschungen, die zu Halloween in Portugal in einem sehr volkstümlichen Kult um die Hexerei anzutreffen sind und den Spuk an vielen Orten deutlich vom US-amerikanischen Vorbild unterscheidet.
Die Nacht zum 1. November gilt in der Hexenmythologie als Neujahrsnacht. Im portugiesischen Novembernebel erwachen Bilder und Riten eines uralten Aberglaubens. Bei Ausgrabungen in der Algarve wurden Utensilien aus Hexenkulten gefunden.
Diabolische Suppen, faules Brot, Hähnchen à la Beelzebub – dämonische Mahlzeiten sind jetzt oft anzutreffen. Aber auch fröhliche Veranstaltungen gehören zur Magie, wie etwa bei Professor Herrero, einem Wahrsager im Algarve. Er überbringe eine„entmystifizierende Botschaft“ für die, die mit „den Geistern des Aberglaubens leben“.
Hinter Hokuspokus, Handlesen und der Kunstfigur „Professor Herrero“ verbirgt sich der Parapsychologe Dagoberto Cabrita de Campos. Er kennt auch die Hexenmythologie in der portugiesischen Volksseele: „Lusitanier kennen Jahrtausende alte Anbetungsrituale, die die vergleichsweise junge katholische Kirche aufgesogen hat“.
Magier sind dabei nicht nur 'Rosa Maldosa' (die böswillige Rita) und 'Rita Maldita' (Rita, die Verdammte), auch Männern wird die Fähigkeit zugesprochen, im Guten wie im Bösen beschwören und verwünschen zu können, und das in praktisch jeder Alltagssituation, ganz ohne „Donner, Blitz oder Regen“, die die Schicksalsschwestern in Shakespeares vierhundert Jahre altem Bühnenklassikers für ihre Zusammenkünfte brauchen.
In seinem Theaterstück „E até o padre foi à bruxa“ („Selbst der Pfarrer ging zur Hexe“) zerstreut João Bezerra den Zweifel, Katholizismus und Aberglaube vertrügen sich nicht. „In Portugal ist beides möglich“, versichert Bezerra. In seinem satirischen Stück rät die Besitzerin einer Wäscherei problembeladenen Kunden zum Besuch einer Hexe, deren Haus nur mit dem Taxi zu erreichen ist. Der Taxifahrer ist der Mann der Zauberfrau. Der Ortsgeistliche kann sich dem Treiben nicht entziehen, schließlich verdienen alle vier. Bezerras Theatergruppe zeigt auch Passionsspiele. Hexenglaube sei aktuell, und zwar nicht nur auf dem Land: „Professoren, Ärzte, Politiker und andere seriöse Krawattenträger sind häufige Kunden bei Hellsehern und Beschwörern.“
Beschwörungs-Szenen wie bei Macbeth, Fragen nach der Vorbestimmung, der Gedanke, Menschen könnten ihr Schicksal durch Taten beeinflussen, sind teilweise erhalten.
Die Malerin und Autorin Magarida Tengarrinha befasste sich Jahrzehntelang mit Sitten und Bräuchen ihrer algarvischen Heimat und fand Hexen- und Aberglauben, der bis heute lebendig ist. Tengarrinha erzählt von einer jungen Frau, die zutiefst erschrak, als sie Olivenöl mit Salz vermischt auf dem Boden vorfand. Hineinzutreten hätte laut Überlieferung das schlimmste vorstellbare Unheil gebracht, obwohl offensichtlich war, dass die unappetitliche Masse nicht durch Zauberei an die Türschwelle gekommen war.
Flüche und Verwünschungen sind vor allem in Orten zu finden, in denen Fischer lebten. Die alten Männer nehmen Verdammungen noch immer ernst und hören vieles ungern, was Jüngeren und Ortsfremden harmlos erscheint. Der Schrecken liegt für Traditionsbewusste gerade darin, dass eben nichts Abstraktes heraufbeschworen wird, sondern dem Gegenüber Dinge gewünscht werden, die ebenso vorstellbar wie unangenehm sind: „Du sollst Fieber bekommen, dass deine Gürtelschnalle schmilzt“. Attribute geben Hinweise: Wer sich vor Hexenwerk und bösem Blick schützen will, pflanzt Rosmarin an der Eingangstür.
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Die Existenz des nicht mystisch verbrämten, volkstümlichen Hexenkultes hier zu Lande wird oft damit begründet, es habe in Portugal während der 285 Jahre währenden Inquisition fast keine Hexenverbrennungen gegeben. Tatsächlich waren es weniger als anderswo: 26 Frauen endeten wegen Hexerei auf den Scheiterhaufen, ermittelte der Historiker Agostino Borromeo in alten Kirchenbüchern. Die höchste Quote in der Hexenverbrennung erreichte Deutschland: 25.000 Frauen wurden hingerichtet.
Moderne Ethnografen meinen, die Halloweenfeiern seien eine Folge des Golfkriegs 1991, dem in Europas Karnevalsmetropolen das Faschingstreiben zum Opfer fiel. Im Herbst wurde die ungestillte Gier nach der Verkleidung nach US-Vorbild nachgeholt und seither gehört die zweite Jahrescamouflage zum festen Kalender, auch in Portugal.
Mit dem Hexentag zum Ende des Oktobers ist der Spuk aber nicht vorbei: Am 16.November widmet sich der Ritus dem mythologischen „Erlöschen des Tageslichts“.Dieser Link ist leider nicht mehr erreichbar
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