Wenn die Bürger die Geduld verlieren mit den Regierenden und ein Wahltermin in absehbare Nähe rückt, haben Regierungskoalitionen in Europa zumindest eines gemeinsam: Zerfallserscheinungen und das unbedingte Ziel der Koalitionäre, ihr jeweils eigenes Profil zu schärfen und sich von unbeliebten Positionen zu distanzieren.
So auch in Portugal: Die kleinere der beiden Regierungsparteien, die rechts-konservative CDS, fordert seit Tagen öffentlich eine Regierungsumbildung und ohne Namen zu nennen, die „Entfernung des umstrittensten Figuren“ aus ihren Ämtern.
Seit heute ist der Graben zwischen der sozialdemokratischen PSD von Premierminister Pedro Passos Coelho und der CDS noch tiefer; dabei ist der neuerliche Streitpunkt eine Personalie, die landesweit ein hochsensibles Thema ist: José Sócrates (55) meldet sich zurück in der Öffentlichkeit, nachdem er 2011 vom Amt des Partei- und Regierungschefs zurücktrat und seither vornehmlich im Ausland anzutreffen war.
Ab April soll Sócrates beim staatlichen TV-Kanal RTP als Kommentator auftreten – ein medialer Coup des Senders und für die meisten Beobachter ein Signal für seine Rückkehr in die Politik (ihm werden Ambitionen auf das Amt des Staatspräsidenten nachgesagt, der 2016 gewählt wird).
Sócrates' Politik und er selbst gelten noch immer vielen als Mitverursacher der Krise, da er 2010/2011 trotz offenkundiger Schieflage des Landes die Troika nicht um Beistand gebeten habe. Die CDS hatte zu den Aufsehen erregenden TV-Plänen eine Parlamentsdebatte angestrengt; der RTP-Nachrichtenchef Paulo Ferreira sollte den Abgeordneten die Personalie erklären.
Unterstützung fand die CDS nur am entgegen gesetzten Rand des Hohen Hauses; die Linkspartei BE und die kommunistische PCP hätten ebenfalls gerne gewusst, warum Sócrates auf einem noblen Sendeplatz des öffentlichen Rundfunks das Land kommentieren darf. Passos Coelhos PSD hielt gegen den Antrag des Koalitionspartners, gemeinsam mit Sócrates sozialistischer Partei PS, wohl, schließlich konnte auch die PSD einen der Ihren in der TV-Runde unterbringen: Den früheren Minister und Juristen Nuno Morais Sarmento (52).
Der TV-Sender berief sich zur Erklärung seiner Entscheidung auf die Unabhängigkeit der Presse und bemühte Voltaire; der Philosoph habe festgestellt, man müsse mit dem Gegenüber nicht übereinstimmen, jedoch dessen Recht auf freie Äußerung stets verteidigen.
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So auch in Portugal: Die kleinere der beiden Regierungsparteien, die rechts-konservative CDS, fordert seit Tagen öffentlich eine Regierungsumbildung und ohne Namen zu nennen, die „Entfernung des umstrittensten Figuren“ aus ihren Ämtern.
Seit heute ist der Graben zwischen der sozialdemokratischen PSD von Premierminister Pedro Passos Coelho und der CDS noch tiefer; dabei ist der neuerliche Streitpunkt eine Personalie, die landesweit ein hochsensibles Thema ist: José Sócrates (55) meldet sich zurück in der Öffentlichkeit, nachdem er 2011 vom Amt des Partei- und Regierungschefs zurücktrat und seither vornehmlich im Ausland anzutreffen war.
Ab April soll Sócrates beim staatlichen TV-Kanal RTP als Kommentator auftreten – ein medialer Coup des Senders und für die meisten Beobachter ein Signal für seine Rückkehr in die Politik (ihm werden Ambitionen auf das Amt des Staatspräsidenten nachgesagt, der 2016 gewählt wird).
Sócrates' Politik und er selbst gelten noch immer vielen als Mitverursacher der Krise, da er 2010/2011 trotz offenkundiger Schieflage des Landes die Troika nicht um Beistand gebeten habe. Die CDS hatte zu den Aufsehen erregenden TV-Plänen eine Parlamentsdebatte angestrengt; der RTP-Nachrichtenchef Paulo Ferreira sollte den Abgeordneten die Personalie erklären.
Unterstützung fand die CDS nur am entgegen gesetzten Rand des Hohen Hauses; die Linkspartei BE und die kommunistische PCP hätten ebenfalls gerne gewusst, warum Sócrates auf einem noblen Sendeplatz des öffentlichen Rundfunks das Land kommentieren darf. Passos Coelhos PSD hielt gegen den Antrag des Koalitionspartners, gemeinsam mit Sócrates sozialistischer Partei PS, wohl, schließlich konnte auch die PSD einen der Ihren in der TV-Runde unterbringen: Den früheren Minister und Juristen Nuno Morais Sarmento (52).
Der TV-Sender berief sich zur Erklärung seiner Entscheidung auf die Unabhängigkeit der Presse und bemühte Voltaire; der Philosoph habe festgestellt, man müsse mit dem Gegenüber nicht übereinstimmen, jedoch dessen Recht auf freie Äußerung stets verteidigen.
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