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[TD="class: tr-caption, align: center"]Getrennte Wege: Die manuelinische Ponte da Ajuda
bei Olivença verband Portugal und Spanien 200 Jahre lang,
bis sie 1709 im spanischen Sezessionskrieg zerstört wurde.
Spanische Denkmalpfleger brauchen zum Wiederaufbau
die Genehmigung des portugiesischen Denkmalinstituts IPPAR [/TD]
[/TR]
[/TABLE]
Vertrag kommt von vertragen, doch der heute vor 715 Jahren geschlossene Friedensvertrag über die Grenzziehung zwischen Portugal und Kastilien, in der spanischen Ortschaft Alcañices (portugiesisch: Alcanizes) unterzeichnet von Portugals König D.Dinis und dem Spanier Fernando IV, Herrscher über Kastilien, Leon, Toledo und Algeciras, sorgt bis heute für Sticheleien und lokalpatriotische Demonstrationen.
Grenzsteine markierten von alters her königliche Herrschaftsbereiche. Sie zu überschreiten, glich einer Kriegserklärung, wenn der Reisende nicht glaubhaft machen konnte, dass er in friedlicher Absicht durch die Felder zog. Die am 12.September 1297 beschlossene Grenze zwischen Spanien und Portugal entspricht nahezu dem heutigen Verlauf und so war es von den Königen gedacht: „Für alle Zeiten“ heißt es im Tratado de Alcanizes; es ist die stabilste Landesgrenze in Europa.
Die alten Grenzsteine trugen die Insignien von König und Nation und waren nummeriert. Wer sich heute bemüht, die Inschriften auf den verwitterten Quadern zwischen Portugal und Spanien zu entziffern, könnte feststellen, dass zwischen dem Stein mit der Nummer 800 und der 900. Markierung eine kilometerlange Lücke klafft: Mitten im Alentejo, östlich von Alandroal und Elvas. Das ist das Symbol eines Grenzstreits, der zumindest im Hinblick auf Nationalstolz und grenzüberschreitende Nachbarschaftverhältnisse bis heute schwelt.
Es geht um die Stadt Olivença, auf Spanisch „Olivenza“, was aus portugiesischer Sicht ein Verstoß gegen alle Regeln ist, nicht nur im Hinblick auf die Rechtschreibung: „Olivença é nossa!“ weiß in Portugal jedes Kind: Spanien hält die acht Dörfer und 12.000 Bewohner des Kreises, mit 750 Quadratkilometern gut viereinhalb mal so groß wie Liechtenstein, besetzt. Kein Dauerbrenner bei iberischen Politikertreffen, doch wer schweigt, stimmt noch lange nicht zu: Zuletzt schickten portugiesische Diplomaten 1995, bei der Planung zur Alqueva-Talsperre, dreizehn Bände historisch-juristischer Studien nach Madrid, unmissverständlich betitelt: „Über die Territorien von Spanien und Olivença“.
Vielen gilt der Vertrag von Alcanizes als wichtigstes Kapitel der Landesgeschichte.
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[TD="class: tr-caption, align: center"]Das Original des Vertrags liegt
im Nationalarchiv Torre do Tombo. 1729
dokumentierte der Chronist Ruy de Pina
das Dokument Vertrag in einer Schrift
über König D.Dinis[/TD]
[/TR]
[/TABLE]
Portugal überließ den Spaniern Arouche, Aracena und Ayamonte (alle in der Provinz Huelva). Einige bis dahin spanische Landstriche wurden portugiesisch. Dazu gehören die Castelos do Sabugal, Bom Castelo, Rodrigo, Monforte und Vilar Maior, die Alentejo-Orte Campo Maior, Serpa und Moura und eben Olivença selbst, das portugiesische Ritter des Templerordens siebzig Jahre zuvor von den Mauren befreit hatten. Wie ein Dorn, in der Form und auch sprichwörtlich, ragte der Landstrich in spanisches Terrain.
Im Orangenkrieg von 1801, in dem Spanien und Frankreich auf der einen und Portugal auf der anderen Seite stand und verlor, eroberte die Kriegskoalition Olivença. Die Sieger pflückten in Elvas Orangen und schickten sie per Boten ans Königshaus in Lissabon als Wink, wo die Frontlinie verlaufen würde, sollte Portugal seine Häfen nicht für britische Handelsschiffe sperren, Olivença an Spanien und Teile der Kolonie Brasilien an Frankreich abtreten. Der bald darauf, am 6.Juni 1801, unfriedlich geschlossene ‚Frieden von Badajoz’ besiegelte für Spanien: Olivença gehört zur Extremadura, nicht zum Alentejo, obwohl der Wiener Kongress 1815 die Rückgabe an Portugal vereinbart war. Portugal beruft sich auf den Artikel 105 in Beschlüsse von Wien, demzufolge „mit mächtigstem versöhnlichem Bemühen Olivenza wieder unter portugiesische Hoheit zu stellen“ sei und der Status Quo des Vertrages von Alcanizes (wie gesagt: „für allen Zeiten“) wieder herzustellen sei. Spanien legt den Artikel 105 hingegen als nicht zwingend aus und hält an dem zuletzt Beschlossenen fest, also am Friedensvertrag von Badajoz.
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[TR]
[TD="class: tr-caption, align: center"]Ein Heftchen der Amigos de Olivença
erhielt (wie die Fußzeile belegt)
1956 grünes Licht der Zensurbehörde
des portugiesischen Salazar-Regimes [/TD]
[/TR]
[/TABLE]
Seither, bis heute und wohl aus in Zukuft fechten Bürgervereine im Grenzland, beseelt von Nationalgefühl und Tradition, den Kulturkampf für ein portugiesisches Olivença aus. Aktivisten des Grupo de Amigos de Olivença, die ihr Hauptquartier in der Casa do Alentejo in Lissabon haben, radeln gern mal rüber nach Olivença und entrollen ein paar portugiesische Flaggen. Von „Erniedrigung“ ist die Rede, jeder 20. Mai ist Trauertag: Das Datum markiert den „Beginn der Besatzung“. Immerhin hat Olivença Städtepartnerschaften mit den portugiesischen
Kommunen Leiria, Portalegre, Elvas, Cadaval und Vila Viçosa geschlossen.

Gesten der Versöhnung gehen von Ost nach West: Der Stadtrat von Olivença gibt Straßen ihre portugiesischen Namen zurück.2008 gründeten Spanier in Olivença den Kulturverband Além Guadiana und veranstalten portugiesische Musikabende, Ausstellungen und den jährlichen Dia de Portugal mit Straßenfesten, weckten neues Interesse am Erlernen der portugiesischen Sprache und fanden damit sogar in der russischen Presse Widerhall.
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[TD="class: tr-caption, align: center"]Manuelinische Architektur in Olivença[/TD]
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Die Monarchen Dom Dinis und Fernando IV waren allerdings schon 1297 weitsichtig genug, um das nachhaltige Temperament ihrer Untertanen richtig einzuschätzen. Sie schrieben in ihren Vertrag, dass er für „immer und alle Zeit den Grenzverlauf bestimmt und von allen nachfolgenden Herrschern respektiert werden muss“. Sie verfügten weiter, wer „diesen Vertrag nicht achtet, ist ein Verräter und muss ernsthaft bestraft werden“.
So kam’s denn auch: Mittlerweile, so schrieb ein Kommentator zum Jubiläum des Vertrags, hätten „Portugal und Spanien genug damit zu tun, sich in der Europäischen Gemeinschaft durchzusetzen“. Gegen die Auswirkungen von EU-Verträgen sei der Tratado de Alcanizes „reine Folklore“.Dieser Link ist leider nicht mehr erreichbar
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[TD="class: tr-caption, align: center"]Getrennte Wege: Die manuelinische Ponte da Ajuda
bei Olivença verband Portugal und Spanien 200 Jahre lang,
bis sie 1709 im spanischen Sezessionskrieg zerstört wurde.
Spanische Denkmalpfleger brauchen zum Wiederaufbau
die Genehmigung des portugiesischen Denkmalinstituts IPPAR [/TD]
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Vertrag kommt von vertragen, doch der heute vor 715 Jahren geschlossene Friedensvertrag über die Grenzziehung zwischen Portugal und Kastilien, in der spanischen Ortschaft Alcañices (portugiesisch: Alcanizes) unterzeichnet von Portugals König D.Dinis und dem Spanier Fernando IV, Herrscher über Kastilien, Leon, Toledo und Algeciras, sorgt bis heute für Sticheleien und lokalpatriotische Demonstrationen.
Grenzsteine markierten von alters her königliche Herrschaftsbereiche. Sie zu überschreiten, glich einer Kriegserklärung, wenn der Reisende nicht glaubhaft machen konnte, dass er in friedlicher Absicht durch die Felder zog. Die am 12.September 1297 beschlossene Grenze zwischen Spanien und Portugal entspricht nahezu dem heutigen Verlauf und so war es von den Königen gedacht: „Für alle Zeiten“ heißt es im Tratado de Alcanizes; es ist die stabilste Landesgrenze in Europa.
Die alten Grenzsteine trugen die Insignien von König und Nation und waren nummeriert. Wer sich heute bemüht, die Inschriften auf den verwitterten Quadern zwischen Portugal und Spanien zu entziffern, könnte feststellen, dass zwischen dem Stein mit der Nummer 800 und der 900. Markierung eine kilometerlange Lücke klafft: Mitten im Alentejo, östlich von Alandroal und Elvas. Das ist das Symbol eines Grenzstreits, der zumindest im Hinblick auf Nationalstolz und grenzüberschreitende Nachbarschaftverhältnisse bis heute schwelt.
Es geht um die Stadt Olivença, auf Spanisch „Olivenza“, was aus portugiesischer Sicht ein Verstoß gegen alle Regeln ist, nicht nur im Hinblick auf die Rechtschreibung: „Olivença é nossa!“ weiß in Portugal jedes Kind: Spanien hält die acht Dörfer und 12.000 Bewohner des Kreises, mit 750 Quadratkilometern gut viereinhalb mal so groß wie Liechtenstein, besetzt. Kein Dauerbrenner bei iberischen Politikertreffen, doch wer schweigt, stimmt noch lange nicht zu: Zuletzt schickten portugiesische Diplomaten 1995, bei der Planung zur Alqueva-Talsperre, dreizehn Bände historisch-juristischer Studien nach Madrid, unmissverständlich betitelt: „Über die Territorien von Spanien und Olivença“.
Vielen gilt der Vertrag von Alcanizes als wichtigstes Kapitel der Landesgeschichte.
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im Nationalarchiv Torre do Tombo. 1729
dokumentierte der Chronist Ruy de Pina
das Dokument Vertrag in einer Schrift
über König D.Dinis[/TD]
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Portugal überließ den Spaniern Arouche, Aracena und Ayamonte (alle in der Provinz Huelva). Einige bis dahin spanische Landstriche wurden portugiesisch. Dazu gehören die Castelos do Sabugal, Bom Castelo, Rodrigo, Monforte und Vilar Maior, die Alentejo-Orte Campo Maior, Serpa und Moura und eben Olivença selbst, das portugiesische Ritter des Templerordens siebzig Jahre zuvor von den Mauren befreit hatten. Wie ein Dorn, in der Form und auch sprichwörtlich, ragte der Landstrich in spanisches Terrain.
Im Orangenkrieg von 1801, in dem Spanien und Frankreich auf der einen und Portugal auf der anderen Seite stand und verlor, eroberte die Kriegskoalition Olivença. Die Sieger pflückten in Elvas Orangen und schickten sie per Boten ans Königshaus in Lissabon als Wink, wo die Frontlinie verlaufen würde, sollte Portugal seine Häfen nicht für britische Handelsschiffe sperren, Olivença an Spanien und Teile der Kolonie Brasilien an Frankreich abtreten. Der bald darauf, am 6.Juni 1801, unfriedlich geschlossene ‚Frieden von Badajoz’ besiegelte für Spanien: Olivença gehört zur Extremadura, nicht zum Alentejo, obwohl der Wiener Kongress 1815 die Rückgabe an Portugal vereinbart war. Portugal beruft sich auf den Artikel 105 in Beschlüsse von Wien, demzufolge „mit mächtigstem versöhnlichem Bemühen Olivenza wieder unter portugiesische Hoheit zu stellen“ sei und der Status Quo des Vertrages von Alcanizes (wie gesagt: „für allen Zeiten“) wieder herzustellen sei. Spanien legt den Artikel 105 hingegen als nicht zwingend aus und hält an dem zuletzt Beschlossenen fest, also am Friedensvertrag von Badajoz.
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des portugiesischen Salazar-Regimes [/TD]
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Seither, bis heute und wohl aus in Zukuft fechten Bürgervereine im Grenzland, beseelt von Nationalgefühl und Tradition, den Kulturkampf für ein portugiesisches Olivença aus. Aktivisten des Grupo de Amigos de Olivença, die ihr Hauptquartier in der Casa do Alentejo in Lissabon haben, radeln gern mal rüber nach Olivença und entrollen ein paar portugiesische Flaggen. Von „Erniedrigung“ ist die Rede, jeder 20. Mai ist Trauertag: Das Datum markiert den „Beginn der Besatzung“. Immerhin hat Olivença Städtepartnerschaften mit den portugiesischen
Kommunen Leiria, Portalegre, Elvas, Cadaval und Vila Viçosa geschlossen.

Gesten der Versöhnung gehen von Ost nach West: Der Stadtrat von Olivença gibt Straßen ihre portugiesischen Namen zurück.2008 gründeten Spanier in Olivença den Kulturverband Além Guadiana und veranstalten portugiesische Musikabende, Ausstellungen und den jährlichen Dia de Portugal mit Straßenfesten, weckten neues Interesse am Erlernen der portugiesischen Sprache und fanden damit sogar in der russischen Presse Widerhall.
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Die Monarchen Dom Dinis und Fernando IV waren allerdings schon 1297 weitsichtig genug, um das nachhaltige Temperament ihrer Untertanen richtig einzuschätzen. Sie schrieben in ihren Vertrag, dass er für „immer und alle Zeit den Grenzverlauf bestimmt und von allen nachfolgenden Herrschern respektiert werden muss“. Sie verfügten weiter, wer „diesen Vertrag nicht achtet, ist ein Verräter und muss ernsthaft bestraft werden“.
So kam’s denn auch: Mittlerweile, so schrieb ein Kommentator zum Jubiläum des Vertrags, hätten „Portugal und Spanien genug damit zu tun, sich in der Europäischen Gemeinschaft durchzusetzen“. Gegen die Auswirkungen von EU-Verträgen sei der Tratado de Alcanizes „reine Folklore“.Dieser Link ist leider nicht mehr erreichbar
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