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[Perspektive Portugal] ENVC - die große Unbekannte

In der Reihe der Staatsbetriebe, die privatisiert werden sollen ist ein Unternehmen weitgehend aus dem öffentlichen Blick verschwunden, wohl, weil es (anders als Strom- oder Wasserversorger) den Alltag von für Portugals Verbrauchern nicht betrifft: Die Werft Estaleiros Navais de Viana do Castelo (ENVC) sucht Käufer und hat im vergangenen Jahr ein nationales und drei internationale Konsortien angelockt – der portugiesische und ein norwegischer Interessent zogen sich aber rasch wieder zurück.
Nachdem nun auch der brasilianische Konzern Rio Nave sein Angebot zurückgenommen hat, bleibt lediglich die russische Firmengruppe RSI Trading (River Sea Industrial Trading) des Magnaten Andrej Kisseljow, die in den letzten fünf Jahren mehrere Werften in Russland aufkaufte und nun ins Ausland expandieren möchte. RSI Trading-Chef Kisseljow, ein Schiffsbauspezialist, über den auch in seiner Heimat kaum etwas bekannt ist, kennt die portugiesische Werft: Hier wurden in den 1980er Jahren Schiffe für die Sowjetunion gebaut.
Kisseljow möchte nun vorrangig Transportschiffe für russisches Gas bauen. Aus Moskau kam heute die Zusage, das RSI-Gebot bis März aufrecht zu erhalten. Länger sei das nicht zu verantworten, denn die Schiffbau- und Reparaturanlage in Nordportugal sei „sehr heruntergekommen“.


Grund für die Verzögerung bei der Entscheidung über den Bieter ist nun eine Anfrage der EU-Kommission an Portugals Regierung über Subventionen, die der Staat in den Jahren 2006 bis 2011 an ENVC gezahlt hat. Die 1944 gegründete Werft ist seit 1991 eine Aktiengesellschaft mit staatlichen Mehrheitsanteilen und hat gegenwärtig über 240 Millionen Schulden.
Kritiker des Privatisierungsvorhabens meinen jedoch, die Werft sei der einzige schwerindustrielle Großbetrieb, der in Portugal noch aktiv ist und eine Zukunft habe: Weitere staatliche Investitionen würden sich lohnen, denn es fehlt nicht an Aufträgen und Anfragen, unter anderen für Patrouillenboote der Viana-do-Castelo-Klasse, die nur auf dieser Werft gebaut werden.
Dem Unternehmen mit derzeit 625 Mitarbeitern fehlen allerdings die Mittel zum Kauf der Rohstoffe um die Aufträge erfüllen zu können. Die Estaleiros Navais versprächen langfristig eine exportfähige Produktion, deren Gewinne nicht leichtfertig an andere Länder abgetreten werden sollten.

Der russische Bieter RSI verspricht den Erhalt der Werft, ihre Modernisierung und vierhundert neue Arbeitsplätze. Auch für andere privatisierte Großprojekte wurden nur im Ausland Käufer gefunden, wie etwa für den Energiekonzern EDP, dessen Aktien Ende 2011 die staatliche chinesische Three Gorges Corporation Dieser Link ist leider nicht mehr erreichbar. Der Flughafenbetreiber ANA wurde gerade an den französischen Multi Vinci Dieser Link ist leider nicht mehr erreichbar.

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