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[Perspektive Portugal] Energiekosten im Preiskampf

Mit Beginn der zweiten Jahreshälfte zahlen private Haushalte 6,9 Prozent mehr für Erdgas und um zwei Prozent höhere Strompreise (der Stromverbrauch wurde bereits durch die Anhebung der Mehrwertsteuer auf 23 Prozent zu Jahresanfang teurer).
Die jetzige Gaspreiserhöhung erfolgt im Zuge der stufenweisen Liberalisierung der Energiemärkte in Portugal und betrifft rund eine Million Kunden. Und wie seit Anfang 2012 bei Strom, sollen auch die Gaskunden sich nun bei alten und neu hinzukommenden Anbietern nach dem günstigsten Tarif umsehen.

Der Übergang auf einen völlig liberalisierten Markt soll 2014 abgeschlossen sein. Die aktuellen Preise gelten bis Jahresende – im Januar 2013 werden die bisherigen, staatlich regulierten Preise abgeschafft und eine Übergangsregelung definiert. Die Regulierungsbehörde für den Energiesektor ERSE veröffentlicht auf ihrer Internetseite eine Liste der Anbieter, sowie Kostensimulatoren als Wegweiser für die Konsumenten.

Die Behörde rät, das Internetportal regelmäßig zu besuchen, denn nur dort gebe es eine gebündelte Übersicht über laufende Veränderungen, etwa wenn neue Versorger auftreten oder Firmen sich aus dem Markt zurückziehen. Personen mit nachweislichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten können staatliche Unterstützung (Apoio Social Extraordinário ao Consumidor de Energia; ASECE) beantragen.

Ein aggressiver Preiskampf der Energieriesen um die Kundschaft hat begonnen: Den Stichtag 1.Juli im Visier, hatte GALP bereits vor zwei Monaten erklärt, wer nicht nur GALP-Gas, sondern auch Strom des Unternehmes beziehe, könne mit fünf bzw. zehn Prozent Preisnachlass auf die jeweils verbrauchte Energie rechnen. Nun zieht der Energiekonzern EDP nach und bietet Kunden um zehn Prozent billigeres Gas und zwei Prozent Nachlass beim Strom, wenn beide Energieformen aus dem selben Hause bezogen werden, das heißt EDP Comercial und ist die von EDP gegründete Firma zum Handel am freien Markt. Der spanische Konkurrent Endesa kündigte an, er werde gleichfalls Rabatt gewähren.

Die auf Energierecht spezialisierte Juristin Carla Branco sieht zwar die Möglichkeit der Verbraucher positiv, einen Anbieter nach dem Vergleich des Preis-Leistungs-Verhältnisses auszusuchen, doch sei „alles sehr unübersichtlich, solange kein echter Markt besteht und nur sehr wenige Anbieter vorhanden sind“.
Artur Trindade, Staatssekretär für Fragen der Energieversorgung bekräftigt, der Übergang zum freien Markt bringe auch Veränderungen bei der Energieerzeugung, was bis zum Jahr 2020 jährliche Preissteigerungen auf jeweils 1,5 Prozent begrenzen werde. Dabei hat der Politiker allerdings die inflationsbedingte Teuerung ebenso wenig berücksichtigt wie den Umstand, dass die Entwicklung der Rohstoffpreise am Weltmarkt langfristig kaum vorhersehbar ist.

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