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[Perspektive Portugal] Ein neues Bild von Portugal

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2011 wirft Schatten auf 2012
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ZEICHNUNG: macroscópio
Ein neues Bild von Portugal:
Der industrielle Norden ist stillgelegt, an der Alentejo-Küste leben ein paar Deutsche, Algarve ist in britischer Hand.
Das Jahr 2011 war eines der heißesten seit 1931 in Portugal. Diese Angaben stammen zwar vom meteorologischen Institut und beziehen sich auf die durchschnittliche Temperatur im zu Ende gehenden Jahr, doch manch einer im Lande sieht verbrannte Erde in anderen Lebensbereichen. Und niemand glaubt den Beschwörungen der Politik, im Jahr 2012 werde sich alles langsam wieder abkühlen.
Zum Beispiel: das Baugewerbe. Es sieht sich nicht nur sinkender Nachfrage aus den Reihen finanziell überlasteter potenzieller privater Bauherren ausgesetzt und einem drastischen Rückgang öffentlicher Bauaufträge seit Jahrenbeginn (im Algarve um 84 Prozent), seit Portugal einen harten Sparkurs fahren muss.
Nun droht auch noch globalisierungsbedingtes Ungemach: Seit Portugals Banken im Ausland nur noch auf bedingtes Vertrauen treffen, sind auch Beteiligungen an internationalen Bauprojekten und solche mit ausländischer Beteiligung ins Wanken geraten.
Das gigantische Projekt in der Serra do Marão im Norden, wo der längste Tunnel der Iberischen Halbinsel bis 2012 fertig gestellt sein sollte, ist gestoppt, ebenso der Bau an wichtigen Verkehrsadern im Alentejo, das seit Jahren versprochene Zentral-Krankenhaus im Algarve und ebendort die Schnellstraßen-Verbindung zwischen Sines und Lagos, sowie von Alcoutim nach Beja. An allen Projekten waren ausländische Firmen beteiligt, die nun Gewinnausfall-Ansprüche geltend machen. Portugiesische Unternehmen werden es indessen schwer haben, die Ausfälle zu kompensieren.
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Der Tunnel von Marão sollte 2012 fertig sein. Nun ruht der Bau wegen staatlicher Einsparungen.
Zahlen, die die Region Algarve betreffen, belegen die Halbierung der privaten Baugenehmigungen gegenüber 2010. Hier kommt jeder fünfte Arbeitslose aus dem Baugewerbe, knapp acht Prozent der noch letztes Jahr aktiven Firmen haben dicht gemacht. 5,255 Millionen Euro fließen 2012 noch in die technische Modernisierung der Algarve-Häfen, 25 Millionen in den gastlichen Ausbau der Uferzone in der Algarve-Hauptstadt Faro.
Eine knappe halbe Million investiert Lissabon 2012, um den Guadiana flussaufwärts schiffbar zu machen und 300.000 Euro, um erodierende Strände aufzuschütten.
Die Projekte, die 2012 nun endgültig nicht Wirklichkeit werden, beeinträchtigen den Arbeitsmarkt, und das nicht nur für unmittelbar durch Pleiten oder Stellenabbau Betroffene: 4.500 Firmen gingen 2011 in Portugal in Konkurs – statistisch zwölf pro Tag. Seit 2008 verschwanden 15.000 Firmen vom Markt. Der Effekt strahlt auf die gesamte Volkswirtschaft aus.
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Das von Satirikern zusammengestellte Auswanderer-Kit für Arbeitslose enthält nur das Nötigste:
Hinflugticket für "da, wo man mich braucht", Uni-Diplom, Telefonkarte, ein Foto von der Mama, einen Sprachkurs und Wegzehrung.
Doch insbesondere die Generationen, die Fragen an die Zukunft im eigenen Land haben, trifft die Krise hart. 2011 kamen jeden Monat zweitausend neue Stellenlose unter 25 Jahren in die Statistik; gegenwärtig sind gut dreißig Prozent aller Portugiesen der Altersgruppe ohne Anstellung. So einen hohen Anteil junger Arbeitsloser hat es bisher in Portugal noch nie gegeben; noch schlechter stehen nur junge Spanier da (49 % ohne Arbeit) und Griechen (45 %; EU-Schnitt ca. 22 %).
Doch allein in Portugal gab es während des ganzen Jahres nicht einen einzigen Monat mit sich abschwächender Zunahme der Jugend-Arbeitslosigkeit. Die Bürger sind sprachlos angesichts des Vorschlags von Regierungschef Pedro Passos Coelho, Emigration könne helfen, jungen qualifizierten Portugiesen zu einem Job im Ausland zu verhelfen.
Was Parlaments-Staatssekretär Miguel Relvas als „einmalige Chance, eine zeitlang eine andere Kultur kennenzulernen“ bezeichnet, ist für die meisten Portugiesen die Bankrott-Erklärung jeder eigenen Wirtschaftspolitik.
Die Nachrichten-Agentur Lusa berichtet, rund 100.000 Emigranten verließen Portugal jedes Jahr und wanderten vor allem in die USA, nach Großbritannien und nach Brasilien aus, die meisten ohne Rückkehr-Absichten.
Isabelle Oliveira, Leiterin der Fakultät für Fremdsprachen an der Pariser Universität Sorbonne, hat Unterschiede ausgemacht: Männer emigrieren eher mit kurzfristigen Plänen, während Frauen häufiger eine radikale, langfristige Veränderung vornehmen und sich auch leichter in ihrer neuen Heimat und am neuen Arbeitsmarkt integrieren. Doch eines gilt für praktisch alle Emigranten im Vergleich zur Auswanderungswelle der 1960er Jahre: „Heute sind es nicht Menschen, die ihr Hab und Gut in einem Pappkarton mitnehmen, sondern diejenigen, die mit Lederkoffern und Laptop ins Flugzeug steigen“, so Oliveira.Dieser Link ist leider nicht mehr erreichbar

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