Aktuelles

[Perspektive Portugal] Bares ist Wahres - "Plastikgeld" nicht mehr unerwünscht?

Portugal liegt in Europa an zweiter Stelle beim Einsatz von Plastikgeld: 68 Prozent aller Einkäufe und Dienstleistungen wurden im vergangenen Jahr mit Debit- oder Kreditkarten bezahlt, so Daten der Europäischen Zentralbank. Nur Dänemark liegt leicht über diesem Wert (für Deutschland gibt der Infodienst Paysys den Anteil von 37,1 Prozent Karten-Zahlungenim Jahr 2010 an).

Die Handelskette Jerónimo Martins (Pingo Doce) will das in Portugal so beliebte Zahlungsmittel ab September nur noch für Einkäufe im Wert von über zwanzig Euro akzeptieren. Auch der Supermarktmulti Auchan (Jumbo, Pão de Açúcar) erwägt, den Debit- und Kreditkartenensatz zu drosseln, sollten die Transaktionsgebühren nicht sinken.

Seit der gestrigen Ankündigung ist das Thema überall in der Diskussion, schließlich besitzt jeder Portugiese statistisch zwei Bezahlkarten (insgesamt gibt es 9,3 Mio. Kredit- und 10 Mio. Debitkarten). Einer Umfrage zufolge haben sechs von zehn Bürgern meist nicht mehr als zwanzig Euro Bargeld bei sich, nur knapp drei Prozent haben über hundert Euro in bar in der Tasche. Plastikgeld erleichtert das Leben und mit 26.715 Zahlterminals pro Million Einwohner liegt Portugal weit über dem EU-Mittel von 19.874. Doch nun schaffen immer mehr Geschäfte ihre Kartenlesegeräte ab.
Laut Angaben der Staatsbank verdreifachte sich die Zahl der Terminals zwischen den Jahren 2000 und 2010 zwar auf 278.400, doch seit 2011 gibt es nahezu fünftausend Stellen weniger, die Plastikgeld akzeptieren. Zumeist liegen die Kassenbeträge über dem angekündigten Mindestbetrag von vierzig Euro: 2010 betrug die durchschnittliche, mit Karte beglichene Kaufsumme 45,86 Euro, im Folgejahr 39,29 Euro.
Eine Rückkehr zu vermehrter Zahlung mit Bargeld oder Scheck für niedrigere Beträge bedeute weniger Bequemlichkeit, so die Abrechnungsgesellschaften Unicre und SIBS. Die Verbraucherschutzorganisation Deco fürchtet weniger Sicherheit, wenn „die Leute wieder mit mehr Bargeld in der Tasche herumlaufen“.

[TABLE="class: tr-caption-container"]
[TR]
[TD="align: center"]google+wallet+2.jpg[/TD]
[/TR]
[TR]
[TD="class: tr-caption, align: center"]Auch Google stellte, schon im Mai 2011,
sein Bezahlsystem via Handy vor, dessen
Reichweite (bisher v.a. USA) erweitert wird[/TD]
[/TR]
[/TABLE]
Die Händler akzeptieren die Argumente, beklagen aber die hohen Kosten der Kartenabrechnung, die je nach Karte zwei- bis dreimal so hoch seien, wie in anderen EU-Ländern. Allein Pingo Doce schätzt, die Zurückweisung von Karten für kleinere Beträge spare im Jahr fünf Millionen Euro an Kommission ein. Der Handelsverband APED fühlt sich von SIBS und anderen Abrechnern übervorteilt, es gebe „zu wenig Konkurrenz auf dem portugiesischen Plastikgeld-Markt“. APED hatte bereits 2003 beim Kartellamt geklagt, den Prozess aber verloren.

Der Gaststätten-Verband AHRESP nutzt die Bezahldiskussion zur Präsentation eines dritten Weges: Gemeinsam mit der Telecom arbeitet AHRESP an Zahlungswegen mit dem Mobiltelefon und will so seinen Mitgliedern jährlich bis zu 85 Millionen Euro Kartenkommission sparen helfen. Das so genannte AHRESP Wallet soll 2013 einsatzfähig sein; mit Hilfe der NFC-Technologie (near field communication) zum kontaktlosen Daten-Austausch und einem Mobiltelefon, das für diese Technik ausgerüstet ist (etwa ein Smartphone) kann die Bezahlinfo dann an ein Terminal übertragen werden.Dieser Link ist leider nicht mehr erreichbar

Dieser Link ist leider nicht mehr erreichbar
 
Zurück
Oben