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... 2013!
Ein neues Jahr liegt vor uns, das heißt: 365 Tage oder 8760 Stunden oder 525.600 Minuten oder 31.536.000 Sekunden. Der letzte Tag ist nach Sankt Silvester benannt, dem Schutzpatron der Haustiere, der Futterernte und – natürlich – des neuen Jahres.
Der Name 'Silvester' kommt zwar im Portugiesischen als Bezeichnung des letzten Tages im Jahr nicht vor, eher in den landauf landab veranstalteten Silvesterläufen zum sportlichen Jahresausklang. Doch es gibt in Portugal eine sehr alte Legende über die Silvesternacht. Die Sammlung 'Lendas de Portugal' verzeichnet sie in einem Band über Heiligenerzählungen als Volksweisheit, denn sie erklärt die Entstehung der Insel Madeira.
Es ist, weniger poetisch formuliert, ein damals wie heute gültiges und durchaus sehr weltliches Gleichnis von Geltungsbedürfnis und Arroganz, Größenwahn und Beratungs-Resistenz, die den Blick auf eigene Mängel und eigenes Unvermögen versperren. Wer hätte nicht schon einmal mit solchen Zeitgenossen zu tun gehabt?!
Mit dieser Legende wünscht Perspektive Portugal
Die Legende der Silversternacht:
Viele Jahre sind ins Land gegangen, so viele, dass unsere Erinnerung sie in der Hast der Zeit nicht messen kann, da erzählte man sich von einem Ort im Atlantischen Ozean, dem wundervollsten aller Orte, gegenüber den Küsten von Portugal und Marokko gelegen, von Atlantis.
Platon schrieb, das Land, das „größer als Lybien und Asien war“ habe ursprünglich Poseidon, dem Gott der Meere, gehört. Seinen Sohn Atlas machte er zum König und teilte den Rest der Insel unter dessen Brüdern auf, die Atlantis ihrerseits an die Nachkommen weitergaben, bis diese es wagten, die Götter herauszufordern.
„Was kann der Himmel schon gegen uns ausrichten?“, fragte einer der Könige. „Wir sind die Herrscher von Atlantis. Wir sind den Göttern gleich!“
Obwohl eine innere Stimme den König warnte: “Du irrst! Kein menschliches Wesen ist den Göttern gleich!“, wurde der Herrscher zorniger und beschloss: „Ich kennen keine Furcht! Ich bin der König von Atlantis, dem mächtigsten Imperium! Ich habe genügend Reichtum und Streitkräfte, die Welt zu zerschlagen!“
Und er befahl seinen Heeren, sich auf die Schlacht gegen Athen vorzubereiten: „Wir werden siegen und dann wird es niemand mehr wagen, sich gegen uns zu stellen! Nicht einmal die Götter!“
Und so – sagt Platon – zogen die Krieger des Okzident in den Kampf, geführt von den Königen von Atlantis gegen die Völker Athens, als wieder die Stimme erklang: „Athen wird siegen. Weil die Könige von Atlantis anmaßend und undankbar sind, werden sie eine schreckliche Lektion erfahren: Atlantis wird für immer verschwinden, doch sein Name für immer erhalten bleiben, als Symbol durch Maßlosigkeit zerstörter Größe!“
Und tatsächlich wurden die Krieger von Atlantis besiegt und ihr unvergleichlich prächtiges Königreich von schrecklichen Erdbeben und nie zuvor gesehenen Überschwemmungen in einem einzigen Tage und einer einzigen Nacht für immer von den Fluten des Ozeans verschlungen.
Unzählige Jahre später, Jesus Christus hatte die Menschen ein neues Leben gelehrt, beugte sich Maria aus dem Himmel über den Ozean zu ihren Füßen, als ein junger Heiliger dazukam, der Silvester hieß. Er wandte sich an Maria, die er um Rat bitten wollte. Es war der letzte Tag des Jahres, benannt nach Silvester, und er wollte ihn zu etwas Besonderem machen, dass „eine Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft markiert", wie er Maria erklärte, "diese Nacht soll den Menschen dazu dienen, Irrtümer zu bereuen und sich selbst das Versprechen zur Besserung zu geben."
Maria war angetan von der Idee, und Silvester fuhr fort: "Nach dem Weihnachtsfest könnte meine Nacht dazu dienen, den Menschen ins Gewissen zu reden."
"Da hast du Recht, Silvester", entgegnete Maria, "an das Gewissen der Menschen kann man nicht oft genug appellieren." Gerade eben habe sie noch über diese prunkvolle, wunderbare Insel Atlantis nachgedacht, die untergehen musste, weil die Bewohner, anmaßend und voll falschen Stolzes, ihre Grenzen nicht erkennen wollten.
"Bis heute haben sich die Menschen nicht geändert", seufzte Maria und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Silvester sah – so will es die Überlieferung – wie in diesem Moment eine Träne über Marias Gesicht rollte und dann aus dem Himmel genau auf jene Stelle im Ozean fiel, wo sich das sagenhafte Atlantis befunden hatte. Silvester wollte seinen Augen nicht trauen, denn die Träne vermischte sich nicht mit dem Wasser des Atlantik, sondern schwamm auf ihm, glänzend wie eine Perle. Und diese Perle wuchs und wuchs und wurde dabei immer strahlender und schöner – die Perle des Atlantik! Und die Erinnerung des Volkes will, dass es eben jene Stelle war, an der die Insel Madeira liegt, eine Perle, entstanden aus einer göttlichen Träne im Ozean.
Die Alten erzählen, in längst vergangenen Zeiten habe man, gleich nach dem zwölften Glockenschlag, der das alte Jahr mit dem neuen verbindet, am Horizont ein Spiel aus wunderbarem Licht und Farben gesehen, das nur langsam blasser und blasser wurde und einen bezaubernden Duft hinterließ. Die Zeit verging und der Lichterzug verschwand. In Erinnerung daran schufen die Menschen eine festliche Nacht mit Lichtern und Feuerwerk, das nichts weiter ist, als die Beschwörung faszinierender Träume aus der Vergangenheit...
Beim Versuch, einem unliebsamen Gegner den Garaus zu machen, kann gelegentlich die Welt zu Bruch gehen, übrig bleibt nur Pulverdampf. Und um diesen Verlust wird dann wohl niemand mehr eine Träne vergießen.
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... 2013!
Ein neues Jahr liegt vor uns, das heißt: 365 Tage oder 8760 Stunden oder 525.600 Minuten oder 31.536.000 Sekunden. Der letzte Tag ist nach Sankt Silvester benannt, dem Schutzpatron der Haustiere, der Futterernte und – natürlich – des neuen Jahres.
Der Name 'Silvester' kommt zwar im Portugiesischen als Bezeichnung des letzten Tages im Jahr nicht vor, eher in den landauf landab veranstalteten Silvesterläufen zum sportlichen Jahresausklang. Doch es gibt in Portugal eine sehr alte Legende über die Silvesternacht. Die Sammlung 'Lendas de Portugal' verzeichnet sie in einem Band über Heiligenerzählungen als Volksweisheit, denn sie erklärt die Entstehung der Insel Madeira.
Es ist, weniger poetisch formuliert, ein damals wie heute gültiges und durchaus sehr weltliches Gleichnis von Geltungsbedürfnis und Arroganz, Größenwahn und Beratungs-Resistenz, die den Blick auf eigene Mängel und eigenes Unvermögen versperren. Wer hätte nicht schon einmal mit solchen Zeitgenossen zu tun gehabt?!
Mit dieser Legende wünscht Perspektive Portugal
allen Lesern ein gutes, gesundes,
glückliches und erfolgreiches neues Jahr!
glückliches und erfolgreiches neues Jahr!
Die Legende der Silversternacht:
Viele Jahre sind ins Land gegangen, so viele, dass unsere Erinnerung sie in der Hast der Zeit nicht messen kann, da erzählte man sich von einem Ort im Atlantischen Ozean, dem wundervollsten aller Orte, gegenüber den Küsten von Portugal und Marokko gelegen, von Atlantis.
Platon schrieb, das Land, das „größer als Lybien und Asien war“ habe ursprünglich Poseidon, dem Gott der Meere, gehört. Seinen Sohn Atlas machte er zum König und teilte den Rest der Insel unter dessen Brüdern auf, die Atlantis ihrerseits an die Nachkommen weitergaben, bis diese es wagten, die Götter herauszufordern.
„Was kann der Himmel schon gegen uns ausrichten?“, fragte einer der Könige. „Wir sind die Herrscher von Atlantis. Wir sind den Göttern gleich!“
Obwohl eine innere Stimme den König warnte: “Du irrst! Kein menschliches Wesen ist den Göttern gleich!“, wurde der Herrscher zorniger und beschloss: „Ich kennen keine Furcht! Ich bin der König von Atlantis, dem mächtigsten Imperium! Ich habe genügend Reichtum und Streitkräfte, die Welt zu zerschlagen!“
Und er befahl seinen Heeren, sich auf die Schlacht gegen Athen vorzubereiten: „Wir werden siegen und dann wird es niemand mehr wagen, sich gegen uns zu stellen! Nicht einmal die Götter!“
Und so – sagt Platon – zogen die Krieger des Okzident in den Kampf, geführt von den Königen von Atlantis gegen die Völker Athens, als wieder die Stimme erklang: „Athen wird siegen. Weil die Könige von Atlantis anmaßend und undankbar sind, werden sie eine schreckliche Lektion erfahren: Atlantis wird für immer verschwinden, doch sein Name für immer erhalten bleiben, als Symbol durch Maßlosigkeit zerstörter Größe!“
Und tatsächlich wurden die Krieger von Atlantis besiegt und ihr unvergleichlich prächtiges Königreich von schrecklichen Erdbeben und nie zuvor gesehenen Überschwemmungen in einem einzigen Tage und einer einzigen Nacht für immer von den Fluten des Ozeans verschlungen.
Unzählige Jahre später, Jesus Christus hatte die Menschen ein neues Leben gelehrt, beugte sich Maria aus dem Himmel über den Ozean zu ihren Füßen, als ein junger Heiliger dazukam, der Silvester hieß. Er wandte sich an Maria, die er um Rat bitten wollte. Es war der letzte Tag des Jahres, benannt nach Silvester, und er wollte ihn zu etwas Besonderem machen, dass „eine Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft markiert", wie er Maria erklärte, "diese Nacht soll den Menschen dazu dienen, Irrtümer zu bereuen und sich selbst das Versprechen zur Besserung zu geben."
Maria war angetan von der Idee, und Silvester fuhr fort: "Nach dem Weihnachtsfest könnte meine Nacht dazu dienen, den Menschen ins Gewissen zu reden."
"Da hast du Recht, Silvester", entgegnete Maria, "an das Gewissen der Menschen kann man nicht oft genug appellieren." Gerade eben habe sie noch über diese prunkvolle, wunderbare Insel Atlantis nachgedacht, die untergehen musste, weil die Bewohner, anmaßend und voll falschen Stolzes, ihre Grenzen nicht erkennen wollten.
"Bis heute haben sich die Menschen nicht geändert", seufzte Maria und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Silvester sah – so will es die Überlieferung – wie in diesem Moment eine Träne über Marias Gesicht rollte und dann aus dem Himmel genau auf jene Stelle im Ozean fiel, wo sich das sagenhafte Atlantis befunden hatte. Silvester wollte seinen Augen nicht trauen, denn die Träne vermischte sich nicht mit dem Wasser des Atlantik, sondern schwamm auf ihm, glänzend wie eine Perle. Und diese Perle wuchs und wuchs und wurde dabei immer strahlender und schöner – die Perle des Atlantik! Und die Erinnerung des Volkes will, dass es eben jene Stelle war, an der die Insel Madeira liegt, eine Perle, entstanden aus einer göttlichen Träne im Ozean.
Die Alten erzählen, in längst vergangenen Zeiten habe man, gleich nach dem zwölften Glockenschlag, der das alte Jahr mit dem neuen verbindet, am Horizont ein Spiel aus wunderbarem Licht und Farben gesehen, das nur langsam blasser und blasser wurde und einen bezaubernden Duft hinterließ. Die Zeit verging und der Lichterzug verschwand. In Erinnerung daran schufen die Menschen eine festliche Nacht mit Lichtern und Feuerwerk, das nichts weiter ist, als die Beschwörung faszinierender Träume aus der Vergangenheit...
in: Lendas de Portugal, Marina Editores, Lisboa 2000, Band IV, S. 317-324;
gekürzte und ins Deutsche übertragene Fassung: Henrietta Bilawer
Moral von der Geschicht': gekürzte und ins Deutsche übertragene Fassung: Henrietta Bilawer
Beim Versuch, einem unliebsamen Gegner den Garaus zu machen, kann gelegentlich die Welt zu Bruch gehen, übrig bleibt nur Pulverdampf. Und um diesen Verlust wird dann wohl niemand mehr eine Träne vergießen.
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