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Jahreswechsel auf Madeira - in den 80ern

Es muß Anfang der 80er gewesen sein als wir uns von unseren begeisterten Freunden überzeugen ließen, mit Ihnen zusammen den Jahreswechsel auf Madeira zu verbringen.

Einen Tag vor Heiligabend starteten wir 5 (unsere Freunde hatten ihre damals 8-jährige Tochter dabei) von Porto nach Lissabon.
Dort folgte dann das übliche Ritual, die Maschine nach Madeira war unbestimmt verspätet.
Da wir gerechnet hatten zum Abendessen im Hotel zu sein, knurrte uns natürlich der Magen. Die TAP war aber so schlau, neue Infos immer schön im Halbstunden-Rhythmus zu geben, damit sie uns bloß kein Abendessen bezahlen mussten.
Aufgrund der kurzen Zeitspanne war es natürlich auch nicht möglich, auf eigene Kosten im Restaurant zu essen.
Wir sind dann irgendwann gegen 22:30 endlich gestartet und natürlich gab es kein Abendessen an Bord, sondern nur halbvertrocknete Sandwichhälften.
Na gut, haben wir gedacht, dann essen wir eben im Hotel, auch wenn wir erst gegen Mitternacht in Machico eintreffen.
Spannend war dann die Landung mit der betagten 727-100 (größere durften damals noch nicht landen wegen der kurzen Landebahn).
Da es extrem windig war und in Funchal eben starke Seitenwinde vom Berg runterkommen, brauchte der Flieger dann 2 Anflüge, bis wir mit Vollbremsung dann landeten.
Im Hotel angekommen, erwartete uns die nächste Überraschung. Man kündigte uns für den nächsten Tag einen Generalstreik des Hotelpersonals an, da die Hotelleitung seit 5 Monaten mit den Gehältern im Verzug war.
Der Name des Hotels ist mir entfallen, es lag kurz vor Machico auf einem Hügel mit Blick direkt auf die Landebahn des Flughafens.
Natürlich gab es in diesem 4-Sterne-Laden auch keinen Roomservice mit warmem Abendessen. Immerhin schaffte es die Rezeption, uns ein paar Sandwiches (schon wieder!) zu organisieren.

Am nächsten Morgen gingen wir dann zunächst mal auf Suche nach einem Café, um unser Frühstück einzunehmen. Das war zum Glück noch im gleichen Komplex.

-Muß mal eben unterbrechen und meinen Schwager in Australien anrufen, der ist sonst im Bett-
So, da bin ich wieder. Habe doch über 90 Minuten mit ihm gequatscht.-

Wir haben dann tagsüber die Gegend erkundet und fanden uns am Abend zum Heiligabend-Dinner im Restaurant ein – das lief doch trotz Streik – sehr schön geschmückt und mit herrlichem Panoramablick.
Am 1. Feiertag warteten wir auf ein weiteres Ehepaar aus Porto, die auch im gleichen Hotel gebucht hatten.
Vom Restaurant aus sahen wir die Maschine im Anflug – und gleich wieder durchstarten. Das wiederholte sich noch 2 Mal, bis die Maschine dann verschwand. Ich dachte, sie wäre in Porto Santo gelandet um besseren Wind abzuwarten. Als unsere Freunde dann am nächsten Mittag auftauchten erfuhren wir, dass die Mühle nach Lissabon zurückgeflogen war.

Die Tage bis zum Jahreswechsel verbrachten wir mit Erkundungen der Insel und Wanderungen entlang der Levadas. Atemberaubend war die Abfahrt vom Golfclub runter zum Airport. Ein schnurgerader asphaltierter Weg, der den Eindruck vermittelte, direkt auf die Landebahn aufzuschlagen. Zum Glück waren die Bremsen unseres Mietautos –wider Erwarten – doch zuverlässig.

Und dann kam Silvester. Wir hatten bei einem Trip nach Funchal versucht, Karten in einem der 5-Sterne-Hotels für Silvester zu bekommen und nach langem Bemühen dann zuletzt noch im Casino Park Hotel noch welche bekommen.
Erwartungsvoll machten wir uns –silvestermäßig aufgemotzt – am frühen Abend auf den Weg, der Einlass sollte ab 20:00 stattfinden.
Gegen 19:40 standen ca. 250 Leute vor der Türe und warteten in aller Ruhe. Wir sahen dem Personal zu, wie man eifrig noch die letzten Vorbereitungen traf.
Es wurde 20:00 und nichts geschah. Es wurde 20:15, und die ersten Gäste fingen an, rhythmisch zu klatschen. Und dann sah ich, wie würdige, ältere Spanier plötzlich anfingen, Krawall zu machen.
Gegen 20:30 öffnete sich dann die Tür – aber nur eine Hälfte. Denn direkt hinter der Tür stand ein Zerberus, der jeden nach dem Namen fragte und umständlich in einer Gästeliste danach suchte. Das war ein sehr erheiterndes Unterfangen angesichts der babylonischen Sprachverwirrung.
Nach einer halben Stunde waren dann auch wir endlich dran – o Graus, unsere Namen waren nicht zu finden. Da wir aber ja unsere Tickets vorweisen konnten, wurden wir erst mal an der Bar platziert, bis man einen zusätzlichen Tisch organisiert hatte.
Doch das dauerte ewig. Bis wir dann den Geschäftsführer zitierten und ihm klarmachten, dass wir noch maximal 10 Minuten warten wollten. Ab da würden wir alle Drinks auf Kosten des Hauses geniessen.
Das wirkte dann offenbar, denn binnen 2 Minuten hatten wir unseren Tisch, direkt an der Bühne.
Das Essen war ganz ok, aber die gleichzeitig ablaufende Show war ein einziges Grauen.
Es trat ein Magier auf, erst dachte ich, der macht das extra, denn sämtliche Tricks gingen total in die Hose. Aber dann bekamen wir mit – wir saßen ja direkt davor – dass der völlig betrunken war.
Nun gut, danach sollte eine „aus Funk und Fernsehen“ bekannte englische Sängerin auftreten. Wer schon mal eine der Castingshows gesehen hat, der kann sich das Niveau dieser „Sängerin“ vorstellen. Menderes war dagegen ein Topsänger.
Unser Grimm wuchs.
Es folgte ein „Ballett“, ebenfalls aus GB, ich kann es nicht anders beschreiben als „Hupfdohlen“.
Dann hatten wir noch Mühe, unsere im Preis eingeschlossene Flasche Sekt noch vor Mitternacht zu bekommen.
Aber das grandiose Silvesterfeuerwerk von Funchal sollte ja allen Ärger wettmachen.

Erwartungsvoll traten wir auf die Terrasse, aber es folgte ein derart müdes Feuerwerk, dass ich sagte, in jeder aldeia auf dem Festlande zum Feste des Dorfheiligen bekämen wir mehr zu sehen.

Daß die Stimmung im Saale mehr als steif war, na ja. Nix mit Tanzen.
Und so machten wir uns vorzeitig auf zurück ins Hotel.
Und dort trafen wir dann im Restaurant auf eine supertolle Silvesterparty, bei der wir dann bis in den frühen Morgen feierten.

Die restlichen Tage waren aber sehr entspannt und entdeckungsreich und entschädigten uns dann doch noch für den gehabten Ärger.

Und selbst der Rückflug klappte mal ganz ohne Verspätung.
Der Start war allerdings etwas amüsant, denn bei halbleerer Maschine wurden alle Passagiere gebeten, doch für den Start im hinteren Bereich Platz zu nehmen, damit der Pilot die Nase schneller hochbekam.

Ach ja, als wir dann mal im Sommer spontan für 1 Woche wieder hinflogen – ich hatte in Madrid donnerstags aus einer Eingebung heraus gebucht – da waren wir auf die Mangelverpflegung der TAP vorbereitet.
Kurz zuvor waren wir nämlich in den Pyrenäen und Südfrankreich gewesen und hatten uns vor Ort mit einigen Leckereien eingedeckt.
Und so verblüfften wir die Stewardess mit unserem Picknick-Korb, den wir gleich nach dem Start auspackten.
Leckeren „vin gris“ aus der Provence, französischen Käse, spanischen „jamon und salchichon“ und natürlich eine „flute“, aber die aus der Bäckerei in Porto.

Wir sind insgesamt sicherlich 4 oder 5 mal auf Madeira gewesen und haben es immer genossen.
Madeira ist mehr als eine Reise wert.

Lust, es auch mal zu probieren?

LG
portapaixonado
 
oh mei - da hab ich ja im ersten jahr des neuen jahrtausends direkt glück gehabt.
wir konnten zwar nicht auf madeira landen: sturm und schlechtwetterfront, und wurden freundlicherweise für eine (halbe) nacht nach gran canaria verfrachtet.
wo ich nie nie hinwollte und ganz gewiss auch nicht wieder hin will.
hotel war grausig, und zimmer war direkt neben der disco. aber nachdem der flug nach madeira dann eh für 6 uhr morgens angesetzt war... wars egal.

andere flieger sind übrigens nicht nach gran canaria umgeleitet worden, wie später zu erfahren war. die durften in porto santo runter - das wär mir irgendwie auch lieber gewesen.
leider bin ich schon am 31.12. morgens abgeflogen, aber ich hatte das glück, wenigstens die "generalprobe" fürs feuerwerk zu sehen - und ich muss sagen: WOW.

nachdem madeira ja schuld dran ist, dass ich hier in portugal gelandet bin, ists immer noch meine "lieblingsinsel".
 
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