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Avocado-Plantage in Urlaubsnachbarschaft?

Bom tarde a todos

Meine Frau und ich sind seit 1991 mit dem Algarve sympathisch verbunden, mit seiner einmaligen Natur und den liebenswürdigen Menschen. So sehr, dass ich darüber für deutsche Residenten ein Buch verfasst habe „Im Algarve sein“ (1997). Bis 2009 pflegte ich auch Kontakt mit Almargem, was möglich war, da wir in Quelfes/Olhao ein Bauernhaus bewohnten, umgeben von einem halben Hektar horta de sequeiro.

Nach unserer erzwungenen Rückkehr nach Deutschland besuchten wir in den letzten Jahren den Sotavento wieder. Wir genossen es, in einer Ferienwohnung unmittelbar vor der Lagune bei Cabanas de Tavira zu sein.

Umso mehr wurden wir aus unseren Träumen gerissen, als wir entdecken mussten, dass in unmittelbarer Nähe ein riesiges Feld mit schweren Maschinen kahl planiert wurde. Bei der Junta da Fregesia erfuhren wir, dass hier nördlich des Golden Club bis zur Quinta da Canáda eine weitere Avocadoplantage angelegt wird. Vermutlich wird da dieser

Anmerkung der Moderation: bitte keine Vermutungen mit Klarnamen

dahinter stecken. Weshalb haben Unternehmer wie dieser freie Hand in einer europäischen Region, die um eine nachhaltige Wasserversorgung ringt und dazu noch in der Ria Formosa?

Offenbar wurden die Widersprüche gegen diese Art von Verschwendung kostbaren Trinkwassers aus den Staudämmen von den Behörden weggewischt. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge? Ist unsere Sache verloren? Weiß jemand, ob z.B. "regenerate" Erfolg hatte?

Falls dieser Irrsinn nicht gestoppt wird, werden wir nach Cabanas nicht mehr wiederkehren. So verliert der Algarve nicht nur Wasser sondern Touristen dazu.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Bei diesen Projekten ist die EU nicht ganz unschuldig, weil das mit EU-Geldern kräftig gefördert wird. Die Wasserversorgung der Algarve ist schon allein durch die vielen Golfplätze und den Tourismus-Boom der letzten Jahre in einer Notsituation. Dazu kommt, dass die Landwirtschaft und die marode Infrastruktur der Leitungen und Bewässerungsanlagen einen weiteren immensen ungenutzten Wasserverbrauch verursacht.

Ich begreife auch nicht, wieso für diese Projekte keine Meerwasser-Entsalzungsanlagen zwingend vorgeschrieben werden, dann hätte auch die Bevölkerung etwas davon.
Auf Madeira bringen Levadas das im Norden reichlich vorhandene Regenwasser in den Süden. Warum nicht auch auf dem Festland?

In Portugal ist das leider immer noch so: Solange was da ist, interessiert es niemand. Wenn es dann nicht mehr da ist, kommt das große Erstaunen und die Panik. Vorausschauende und Verantwortungsbewusstsein fördernde Gene sind bedauerlicherweise in der portugiesischen Erbmasse Mangelware.

Die Gier nach Geld überwiegt leider:
;)
 
Du hast recht mit dem Hinweis auf die EU aber auch auf die politische Naivität der einheimischen Bevölkerung. In dem Beitrag neulich in ARTE zu diesem Thema war auch die Rede davon, dass leider sehr wenig Bildung als Voraussetzung für demokratische Mitsprache anzutreffen sei. Hier wirken Diktatur und einschüchternde Bürokratie noch immer nach. Ich habe auch vor gut 20 Jahren zusammen mit EURONATUR vergeblich gegen das Mammut-Projekt Alqueva-Staudamm angekämpft, bei dem die EU gegen ihre eigenen Bestimmungen zum Umweltschutz verstoßen hat. Bei den Avocados hat die Agrarindustrie sich durchgesetzt, beim Alqueva-Staudamm die Bau- und Betonindustrie.
Wir sind irgendwie "arme Würstchen" und werden nach Belieben der global aufgestellten Großkonzerne und der Großinvestoren "gegrillt".
Gibt es denn gar keinen Widerstand mehr, haben auch die sympathischen Leute von "regenerate" kapituliert, sind sie verschmort, um im Bild zu bleiben?
Ess grüßt OLK
 
Vorausschauende und Verantwortungsbewusstsein fördernde Gene sind bedauerlicherweise in der portugiesischen Erbmasse Mangelware.

Die Gier nach Geld überwiegt leider:
Ach, und das ist bei der deutschen Erbmasse anders? Braunkohle, Tesla etc. etc.

Darf man in diesem Forum Werbung für eine politische Partei machen? Volt.
Dann ist sicherlich bald die geliebte AFD auch hier.
Saravá
 
@Wolfgang
Nichts' war klar! Wenn das nichts mit politischen Parteien zu tun hat, wieso darf OLK dann als Avatar das Logo von der politischen Partei Volt benutzen?
 

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Weil diese Partei nicht als radikal eingestuft wird. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn ein Mitglied hier seine politische Gesinnung mit einem Parteizeichen der SPD, CSU, CDU, der Grünen usw. zum Ausdruck bringt. Rechts- oder linksradikal, verfassungsfeindlich eingestuft usw. geht natürlich nicht. Solange aktiv keine Werbung für eine Partei betrieben wird und lediglich die persönliche Meinung zum Ausdruck kommt, ist doch nichts dagegen einzuwenden. Wenn ich das machen würde, dann wäre das Geschrei nach Zensur wieder groß. Wie man es macht, ist es manchmal nicht richtig. ;)
 
Ich bekenne mich, trotz aller berechtigten Kritik an der EU, als Europäer. So war es naheliegend, ein europäisches Symbol als Bild für mich zu wählen. Aber tatsächlich, es ist von Volt, einer Partei mit europäischer, statt nationaler Perspektive auf die Politik. In Bayern tritt sie gerade für die Wahlen im Herbst an.
Deshalb habe ich das Bild ausgetauscht und nehme die zerknautschte Europa-Flagge, wie sie auch auf meinem Titel "Weckruf an Europa. ..." verwendet wird. Dies, um auszudrücken, wie verbesserungsfähig die EU noch ist, wie sie aber auch im Europäischen Rat an ihrer Entwicklung gehemmt wird.
So, nach diesem Geplänkel solls weiter gehen mit der Auseinandersetzung um die fortschreitende Zerstörung unserer Ferienheimat oder Residenz Algarve.
Unverdrossen, OLK
 
Von ARTE bekam ich netterweise aktuelle Infos, was aus dem Widerstand gegen die Avocado-Investoren im Algarve geworden ist, über die 2021 berichtet wurde: "Die Situation vor Ort ist eher schlechter geworden. In Odiaxere ist eine neue Avocado-Plantage entstanden und auf dieser als auch auf den umliegenden werden jetzt auch Pestizide eingesetzt - was neu ist. Der Verein Regenerate hat sich aus verschiedenen Gründen aufgelöst."

Wenn Touristen solche Orte künftig nicht meiden, ist das ihre Sache. Schaut doch mal auf das beigefügte Bild: Man sieht noch den grünen Rand der (fatalerweise immer ausgerechnet in der Nachmittagshitze beregneten) Rasenumrandung der Ferienanlage Gold Club/Cabanas de Tavira und dann das riesige Areal, das gerade für die Avocado-Plantage zurecht gemacht wird. Unsere Sache als Liebhaber des Algarve ist dies nicht mehr. Müssen wir zur Erholung und Animierung ausgerechnet dorthin reisen, wo die Agrarindustrie unter Duldung der jeweiligen Regierung ihren Reibach macht, weil sie für Folgeschäden in der Naturumwelt nicht haftbar gemacht werden? Allerdings scheint es so, dass die meisten Touristen sich das gefallen lassen, denn sie stört nicht, was sich außerhalb der Ferienanlage mit ihren Bequemlichkeiten alles so tut.

Doch wir deklamieren mit Schiller "Hier wendet sich der Gast mit Grausen: / 'So kann ich hier nicht ferner hausen, / Mein Freund kannst du nicht weiter sein. / Die Götter wollen dein Verderben - Fort eil ich, nicht mit dir zu sterben.' / Und sprachs und schiffte schnell sich ein." (Der Ring des Polykrates)

Wie passend! findet OLK

Avocado Pl 10.jpg
 
Die allermeisten Touristen bekommen das ja nicht mit. Golf und Luxusressorts zerstören die Natur auf der ganzen Welt und sie bilden sich noch ein, was Gutes zu tun. Wenn für diese Sachen Genehmigungen erteilt werden, dann hätte ich mir gewünscht, dass eine eigene Meerwasser-Entsalzungsanlage mitfinanziert werden muss. Aber dann wäre es wahrscheinlich für Investoren nicht mehr rentabel.
 
Ach es ist furchtbar, ich hoffe dass die EU und die jeweiligen Mitgliedsländer solch einen Blödsinn endlich einmal sein lassen. Der Vergleich mit Tesla in Brandenburg ist durchaus berechtigt. In jedem Land gibt es solche schwer umweltschädigenden Projekte und eigentlich sollte man es mittlerweile besser wissen aber Geld regiert die Welt. Wie mit diesen Projekten immer wieder bestätigt wird. Die Idee mit der Entsalzungsanlage ist genial, Avocados benötigen im Anbau sehr viel Wasser (1 Kg = ca. 1000 L Wasser). Fairerweise muss man hierzu sagen, dass die Tierzucht in vielen Fällen einen deutlich höheren Wasserverbrauch hat. Könnte man ebenso in Frage stellen. Lithiumabbau ist ebenfalls ein Thema, welches momentan wie ein Damoklesschwert über Portugal schwebt. Dazu habe ich eine Frage, gibt es aktive Umweltvereine vor Ort, mit denen man sich austauschen könnte? In meinem Videolink werden ein paar genannt aber vielleicht gibt es noch mehr aktive Vereine? Mal sehen ob sich Volt in Europa und ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei) in Deutschland durchsetzen können und zu mehr Umweltschutz beitragen können. Portugal und Deutschland bieten so viele landschaftliche Schönheiten und sind es wert geschützt zu werden.

Ich habe letztens auch wieder eine interessante Doku über Luxusresorts in Landschaftsschutzgebieten in Portugal gesehen. Ausgestrahlt von arte.
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Lieber Daniel,
zu meiner Zeit (also vor mehr als 20 Jahren) gab es das Umweltamt DRARN do Algarve in Faros Rua Candido Guerreiro, irgendwie halbstaatlich und wenig aktiv. Bei meiner Suche jetzt stieß ich auf die CCDR (E-mail: geral@ccdr-alg.pt, Site: www.ccdr-alg.pt).

Einer richtigen Umweltschutzgruppe Namens ALMARGEM habe ich parallel zu meinem Jammern hier im Portugalforum den Vorfall in Cabanas de Tavira berichtet, doch keine Antwort bekommen, vermutlich wg. Personalnot und allgemeiner Schläfrigkeit (almargem@mail.telepac.pt mit Sitz in Loule).

In ganz Portugal tätig ist QUERCUS mit einem Nucleus in Moncarapacho (Núcleo Regional do Algarve da Quercus, Apartado 240, 8700-906 Moncarapacho, Telemóveis: 91 197 13 35, E-mail: algarve@quercus.pt)

Daneben gibt/gab es noch ein Instituto de Conservacao da Natureza ICN mit regionaler Gruppe in Pena und die Liga para a Proteccao da Natureza LPN mit Untergruppe in Portimao. Bitte diese beiden selbst mal googeln. Ist ja heute einfacher als früher...

Best from OLK
 
Vielen Dank, das klingt vielversprechend. Scheint doch eine gewisse Organisationsstruktur der Naturschützer zu geben. Damit kann man schonmal was anfangen.
 
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Hallo, Daniel,
meine Hoffnung wäre gewesen, dass Du schon bei einer der Umweltschutz-Organisationen hättest andocken können...
Wäre ja interessant zu erfahren, was sie mit Touristen, Teilzeit- oder Langzeit-Residenten anfangen können und wir mit ihnen.
Schließlich leben wir in EU-Europa, in dem nationale Grenzen weniger wichtig sind, da die Probleme sich vor Grenzüberschreitungen nicht scheuen.
Insofern ist immer wieder mal ein Blick ins ARTE Programm zu empfehlen, weg von der Nabelschau, hin zum erweiterten Blick und Verstehen. Habe mir angewöhnt, von 19:40 bis 20:15 Uhr das Reportage-Magazin Re: anzuschauen. Außerdem kann ich vermelden, dass Volt es geschafft hat, bei den Landtags- und Bezirkstagswahlen in Bayern jetzt anzutreten. Wir sollten, egal, wo wir leben, Druck auf unsere Regierungen ausüben, in europäischen Dimensionen zu denken und diese dann national oder regional umzusetzen. Ist noch ein langer Weg, aber einer mit Perspektive, was immere noch besser ist als Resignation und Verzweiflung über die Dummheiten national-egoistischer Politiken. Nur kommt es halt darauf an, dass wir uns als betroffene Bürger in Szene setzen... Naja, könnte man noch lang darüber predigen!
Europäische Grüße
OLK
 
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