Aktuelles

Rodrigo Leão

Es wurde Zeit, dass ich mal wieder auf meinen Lieblingsmusiker hinweise. Und ich meine das nicht auf portugiesische Musik bezogen, sondern ganz allgemein.

Er ist wohl der einzige Künstler, von dem ich keinen Auftritt verpasse, wenn ich in der Nähe bin. Zum Glück kommt er relativ oft nach Coimbra ;)

Keines seiner Stücke wird mir je langweilig, weil er jedes seiner Stücke immer wieder umwandelt und auf eine neue Umgebung umorchestriert. Mal spielt er mit internationalen Sängern, oder - meistens - Sängerinnen, mal mit Jazzpianisten, oder einfach auch mit einem Symphonieorchester. Und dabei entwickelt er jedes Stück immer wieder ein bisschen neu, angepasst an die Leute, mit denen er es zusammen spielt. Kein Stück ist bei ihm jemals fertig, sondern jedes Mal klingt es wieder ein bisschen anders.

1982 gründete er die Gruppe Sétima Legião, zusammen mit Nuno Cruz und Pedro Oliveira, dann 1985 Madredeus mit Pedro Ayres Magalhães. Das gibt die Richtung vor, Sétima Legião suchte die Entwicklung einer Art Pop-Rock, der Elemente der traditionellen portugiesischen Musik einbaut, Madredeus etwas ähnliches, aber eher in Richtung klassicher Musik und melodischer Stimme. Das hat damals zu Recht viel Erfolg gebracht, weil es etwas völlig neues kreierte.

Aber im Laufe der Zeit wurde ihm das Korsett Madredeus zu eng, und er experimentierte wieder neu weiter, in wechselnden Kooperationen mit portugiesischen und internationalen Künstlern, wo er seine portugiesischen Wurzeln einbrachte bei dem Versuch, mit dem jeweils anderen zusammen etwas für beide neues zu kreieren.

Seit 2004 hat er wieder eine eigene Truppe, das Cinema-Ensemble, mit dem er das Album Cinema produzierte, das mich damals, als ich es zum ersten Mal live erlebt habe, absolut umgehauen hat. Während bei Madredeus die Zeit beim einmal erreichten stillzustehen scheint, geht es bei Rodrigo Leão immer weiter, in alle möglichen Richtungen.

Hinter allem, was er selbst komponiert, stecken immer seine traditionellen portugiesischen Wurzeln. Hier als Beispiel mal ein sehr pures portugiesisches Werk - ein Fado, der eigentlich kein Fado ist, sondern eher eine sinfonische Dichtung um etwas herum, das wie ein Fado klingt. Aber wenn man den Fado zurückführt auf eine sehr einfache Definition, wie sie mal ein spanischer Bekannter sehr spontan formuliert hat: "una musica mui mui triste" - dann ist das ein Fado pur - trauriger, melancholischer und fatalistischer geht es eigentlich nicht.

Die hoffnungslose Traurigkeit wunderbar interpretiert von Ana Vieira, die Musik zum Dahinfließen in diese unendliche Ausweglosigkeit - im Hintergrund schweigt ein dekoratives Sinfonieorchester, aber auch wenn die bei anderen Stücken des Abends verstärkend eingreifen, bleiben die Solisten des Cinema Ensemble immer deutlich im Vordergrund. Der Meister, irgendwo am Rande, dirigiert durch seine Körperbewegungen, die zeigen, dass er jeden einzelnen Takt mit ganzem Leib durchlebt.

Der Mann ist Musik.

Hier gibt es den Text, mit dem Versuch einer Übersetzung.

[YOUTUBE]CTyPuuq9yLM[/YOUTUBE]

Rodrigo Leão kommt übrigens Anfang Oktober nach Deutschland - also nicht verpassen ;)
 
Pasión

Eine durchaus ähnliche Idee hatte er schon vor vielen Jahren umgesetzt. Also die Idee, dass die Liebe einen immer irgendwie enttäuscht. Aber in diesem Lied hier hat er das in einem wunderschönen herzzerreißenden Tango, natürlich auf spanisch, umgesetzt, mit einem ganz anderen Aspekt. Nicht endgültige totale Verzweiflung, sondern Genuss des Augenblicks, auch wenn man weiß, dass es alles Lüge ist. Und das passt einfach besser auf spanisch in einem Tango, als in einem portugiesischen Fado.

Hier wieder der Text mit dem Versuch einer Übersetzung.

Ursprünglich hat er es mit Lula Pena aufgenommen. Die ist aber normalerweise bei seinen Live-Konzerten nicht dabei. Natürlich könnte Ana Vieira das dann singen - die kann fast alles singen in fast allen Sprachen der Welt. Aber dann hat er eine bessere Lösung gefunden.

Wenn also bei einem Konzert Ana Viera die Bühne verlässt und Celina de Piedade ihr Akkordeon beiseite legt, um sich ans Mikro zu stellen, weiß mittlerweile jeder, was kommt...

[YOUTUBE]yiJVNu-6dFc[/YOUTUBE]

Ein bisschen Ritual bei so einem Auftritt ist auch ganz nett

Aber das finde ich eben überhaupt das tollste an Rodrigo Leão - er arbeitet mit den virtuosesten und expressivsten Sängerinnen zusammen, aber irgendwann hat er bemerkt, dass Celina dieses Stück einfach authentischer rüberbringt. Bei dem ist, wie gesagt, ein Stück niemals fertig, sondern wird permanent weiterbearbeitet.

Hier gibt es die Studioversion, die etwas voller und peppiger rüberkommt - das liegt aber nur an der relativ bescheidenen Aufnahmequalität des obigen Videos. Hier also gesungen von Luna Pena.

[YOUTUBE]AyRiE0ByOcw[/YOUTUBE]
 
La Fête

Und um den ganzen Herzschmerz zu beenden - man kann das auch ganz anders sehen. Mit französischen Augen, unbeschwert, einfach nur feiern. Und du denkst, du bist im Cabaret....

Text

[YOUTUBE]4nTBKRGIKQQ[/YOUTUBE]
 
Der ist noch viel mehrseitiger ;)

Zur Abwechslung mal ganz klassich auf englisch - für die Abteilung "eher unbeschwert" ;)

Die Kamera fängt ein paar Mal sehr schön die im Rhythmus schwelgenden Gesichtsausdrücke der Musiker ein.

[YOUTUBE]86lrWMJNtF8[/YOUTUBE]
 
Zurück
Oben