In einer Bilanz zum ersten Jahrestag der Regierungsübernahme am 21. Juni erklärte Premierminister Pedro Passos Coelho, sei Portugal „heute nicht länger in den Nachrichten wegen wirtschaftlichen Niedergangs, sondern ein Beispiel für Erfolg auf dem harten Weg der ökonomischen Erholung“. Nicht alle teilen die Einschätzung.
Besonders im Algarve deutet alles auf einen Fortgang der Flaute, wie ein Blick in die nähere Umgebung lehrt: Im Bezirk rund um die spanische Grenzstadt Ayamonte stehen als Folge der geplatzten Immobilienblase Häuser zum Verkauf soweit das Auge reicht. In Bestlage an der Küste oder direkt am Golfplatz gelegen, können Interessenten sich inzwischen schlüsselfertige Villen für Preise um die 70.000 Euro aussuchen, die einst als Angebot für Menschen gebaut wurden, die sich in Iberiens sonnigem Süden eine Zweitwohnung oder einen Altersruhesitz erwerben wollten. Käufer sind nicht nur wegen Kreditschwierigkeiten rar geworden; auch möchte niemand ein Domizil mit der Aussicht erwerben, in einer Art Geisterstadt zu leben.
Und schon vor gut zwei Jahrzehnten spielte sich im Alentejo ein Lehrstück über den regionalen Niedergang ab: Die Stilllegung der Minen von São Domingos im Kreis Mértola zog eine rasche Veränderung der Gegend nach sich: Traditionelle Berufstätigkeit brach weg, denn nach dem Aus für die Minen zogen die Menschen auf der Suche nach neuen Jobs weg – in erster Linie weiter nach Süden, denn die Tourismusregion Algarve bot im Boom der 1990er Jahre praktisch jedem Neuzugang eine Arbeit. Heute hat hier kaum jemand Aussicht auf eine neue Stelle.
Der Bazillus ist auf die Region übergesprungen: Ein Hotelkomplex an der Herdade dos Salgados, hochgezogen für 450 Millionen Euro und mit den Worten „das ist es, was das Land braucht“, vom früheren Regierungschef José Sócrates in den Rang eines „Objekts von nationalem Interesse“ (PIN) erhoben, wartet auf einen Käufer. Der einst hochgelobte Hotelier Carlos Saraiva hatte die Konjunktur und sich selbst überschätzt.
Bereits zu Jahresbeginn entließ er über dreihundert Angestellte. Die meisten von ihnen sind nun Teil des rund 29.000-köpfigen Arbeitslosenheeres der Region. Das kreditgebende Banken-Konsortium (BES, Banco Popular und BCP) übernahm den Komplex und versucht seit Februar, das Millionengrab wieder loszuwerden.
Ähnlich brach liegt der vor fünf Jahren formulierte Plan für zehn Touristikobjekte auf der Herdade dos Palmares bei Lagos. In Teilen sei zwar Bewegung in die Vorhaben gekommen, sagt der Bürgermeister der Algarvestadt. Solange die Banken nicht mitspielen, bleibe es aber bei der reinen Absicht, so Júlio Barroso. Zudem erklärte das Gericht in Lagos vor zwei Monaten die Luxusferienanlage Parque da Floresta bei Vila do Bispo für zahlungsunfähig. Neben diesen großformatigen ehemaligen Hoffnungsträgern für die Schaffung neuer Arbeitsplätze stehen die ungezählten kleinen Firmen, die direkt oder indirekt im Sog der Giganten in den Abwärtsstrudel geraten sind.
Wer in der Region lebt und arbeitet, meint, die Verantwortlichen für die Regional- und Tourismusplanung hätten früher reagieren müssen. Statt über die wortwörtlich naheliegenden Beispiele nachzudenken, sei die Region Algarve mit den spanischen Nachbarn in einen fatalen Konkurrenzkampf um die Gunst der Kurz- und Langzeitbesucher getreten. In der Folge von Pleiten (nicht nur von Hotels) bleiben nicht nur die Mitarbeiter auf der Strecke, sondern auch Lieferanten, sowie Strom , Gas- und Wasserversorger, deren Rechnungen nicht bezahlt wurden. Und so stoßen letztlich auch die Gemeinden ihrerseits an ihre finanziellen Grenzen: Gerade wurde in Lissabon ein Rettungsprogramm für hoch verschuldete und daher handlungsunfähige Gemeinden beschlossen, von den im Algarve zunächst die Städte Albufeira, Faro und Portimão profitieren. Für den Staatshaushalt sind dies unvorhergesehene Mehrausgaben. Und die hat Pedro Passos Coelho in seiner Bilanz noch nicht untergebracht.Dieser Link ist leider nicht mehr erreichbar
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Besonders im Algarve deutet alles auf einen Fortgang der Flaute, wie ein Blick in die nähere Umgebung lehrt: Im Bezirk rund um die spanische Grenzstadt Ayamonte stehen als Folge der geplatzten Immobilienblase Häuser zum Verkauf soweit das Auge reicht. In Bestlage an der Küste oder direkt am Golfplatz gelegen, können Interessenten sich inzwischen schlüsselfertige Villen für Preise um die 70.000 Euro aussuchen, die einst als Angebot für Menschen gebaut wurden, die sich in Iberiens sonnigem Süden eine Zweitwohnung oder einen Altersruhesitz erwerben wollten. Käufer sind nicht nur wegen Kreditschwierigkeiten rar geworden; auch möchte niemand ein Domizil mit der Aussicht erwerben, in einer Art Geisterstadt zu leben.
Und schon vor gut zwei Jahrzehnten spielte sich im Alentejo ein Lehrstück über den regionalen Niedergang ab: Die Stilllegung der Minen von São Domingos im Kreis Mértola zog eine rasche Veränderung der Gegend nach sich: Traditionelle Berufstätigkeit brach weg, denn nach dem Aus für die Minen zogen die Menschen auf der Suche nach neuen Jobs weg – in erster Linie weiter nach Süden, denn die Tourismusregion Algarve bot im Boom der 1990er Jahre praktisch jedem Neuzugang eine Arbeit. Heute hat hier kaum jemand Aussicht auf eine neue Stelle.
Der Bazillus ist auf die Region übergesprungen: Ein Hotelkomplex an der Herdade dos Salgados, hochgezogen für 450 Millionen Euro und mit den Worten „das ist es, was das Land braucht“, vom früheren Regierungschef José Sócrates in den Rang eines „Objekts von nationalem Interesse“ (PIN) erhoben, wartet auf einen Käufer. Der einst hochgelobte Hotelier Carlos Saraiva hatte die Konjunktur und sich selbst überschätzt.
Bereits zu Jahresbeginn entließ er über dreihundert Angestellte. Die meisten von ihnen sind nun Teil des rund 29.000-köpfigen Arbeitslosenheeres der Region. Das kreditgebende Banken-Konsortium (BES, Banco Popular und BCP) übernahm den Komplex und versucht seit Februar, das Millionengrab wieder loszuwerden.
Ähnlich brach liegt der vor fünf Jahren formulierte Plan für zehn Touristikobjekte auf der Herdade dos Palmares bei Lagos. In Teilen sei zwar Bewegung in die Vorhaben gekommen, sagt der Bürgermeister der Algarvestadt. Solange die Banken nicht mitspielen, bleibe es aber bei der reinen Absicht, so Júlio Barroso. Zudem erklärte das Gericht in Lagos vor zwei Monaten die Luxusferienanlage Parque da Floresta bei Vila do Bispo für zahlungsunfähig. Neben diesen großformatigen ehemaligen Hoffnungsträgern für die Schaffung neuer Arbeitsplätze stehen die ungezählten kleinen Firmen, die direkt oder indirekt im Sog der Giganten in den Abwärtsstrudel geraten sind.
Wer in der Region lebt und arbeitet, meint, die Verantwortlichen für die Regional- und Tourismusplanung hätten früher reagieren müssen. Statt über die wortwörtlich naheliegenden Beispiele nachzudenken, sei die Region Algarve mit den spanischen Nachbarn in einen fatalen Konkurrenzkampf um die Gunst der Kurz- und Langzeitbesucher getreten. In der Folge von Pleiten (nicht nur von Hotels) bleiben nicht nur die Mitarbeiter auf der Strecke, sondern auch Lieferanten, sowie Strom , Gas- und Wasserversorger, deren Rechnungen nicht bezahlt wurden. Und so stoßen letztlich auch die Gemeinden ihrerseits an ihre finanziellen Grenzen: Gerade wurde in Lissabon ein Rettungsprogramm für hoch verschuldete und daher handlungsunfähige Gemeinden beschlossen, von den im Algarve zunächst die Städte Albufeira, Faro und Portimão profitieren. Für den Staatshaushalt sind dies unvorhergesehene Mehrausgaben. Und die hat Pedro Passos Coelho in seiner Bilanz noch nicht untergebracht.Dieser Link ist leider nicht mehr erreichbar
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