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[Perspektive Portugal] Gesundheit als Wirtschaftsfaktor

Hunderte ausländischer Besucher wählen private Kliniken im Algarve, wenn ihnen ein chirurgischer Eingriff bevorsteht, meldete die portugiesische Presse jetzt. Reiseveranstalter gestalteten zwar individuelle Angebote für potenzielle Urlaubspatienten, doch fehle die Unterstützung durch das nationale Touristikamt Turismo de Portugal.
Der Gesundheitsdienstleister Grupo HPP Saúde hat errechnet, dass die Zielgruppe des Gesundheitstourismus einen Marktwert von jährlich mindestens 15 Millionen Euro hat. Das Potenzial sei nicht ausgeschöpft, weil die Regierung den Sektor noch nicht als Priorität erkannt habe. Mit kosmetischer Chirurgie, Sportmedizin und Langzeitbetreuung in anderen gesundheitlichen Bereichen könnten auch Residenten und Langzeitbesucher verstärkt angesprochen werden. Und die dürften auch mit der Unterstützung ihrer heimischen Krankenkassen rechnen, meinen Lokalpolitiker, die private Kliniken und deren Rahmenangebot sehr gerne in ihren Gemeinden verankern möchten: Jede „Krankenversicherung der Welt ist bereit, Operationen und Reha-Maßnahmen durchzuführen, wo sie preiswert sind und in Portugal trifft das zu“, heiß es im Rathaus von Portimão. Die Privatkliniken der Region seien inzwischen in der Lage, den Konkurrenten in Spanien, Deutschland oder den Niederlanden eigene Leistungen zu wettbewerbsfähigen Preisen entgegen zu setzen. Hinzu komme die Sonne und das allgemein gesunde Klima, das die Region Algarve für Patienten zu einem bevorzugten Ort für Rekonvaleszenz und Reha mache.

Die Möglichkeiten der Krankenversorgung kann die Akzeptanz einer Region auch bei potenziellen Neubürgern nachhaltig beeinflussen. Krankenhäuser und Ärzte und ihre Verfügbarkeit, sowie die Qualität der medizinischen und technischen Ausbildung und Ausrüstung gelten schließlich als ein Gradmesser für Lebensqualität.
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[TD="class: tr-caption, align: center"] Gradmesser für den Lebensstandard
FOTO: Presseamt der EU-Kommission[/TD]
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Immer mehr Initiativen für Gesundheitsdienstleistungen entstehen auf privater Basis. Die staatliche Administração Regional de Saúde do Algarve (ARS) begrüßt die Pläne zwar und versucht seit einigen Jahren, sich selbst zu positionieren, erleidet dabei aber Rückschläge.
Das einst als „Priorität“ eingestufte Hospital Central do Algarve, das spätestens 2013 Patienten aufnehmen sollte, ist nicht finanzierbar und wird nicht gebaut. Es wurde bereits Ende des vergangenen Jahres aus dem Haushalt für 2012 gestrichen, auch für die kommenden drei Jahre sei eine Wiederaufnahme der Pläne für das Zentralkrankenhaus nicht vorgesehen, heißt es im Gesundheitsministerium.
Das Zentralkrankenhaus sollte mehr Fachleute aus Medizinberufen in die Region bringen und mit 550 Betten, 10 OP- und 10 Kreißsälen, 49 Sprechzimmern für nicht-stationäre Behandlungen, einer Tagesklinik mit 43 Betten, strahlentherapeutischen, psychiatrischen und Hämodialyse-Einrichtungen „die medizinische Spitzenversorgung der Bevölkerung“ und „Forschung und Lehre für die Versorgung kommender Generationen“ sichern.

Im Algarve wird dies bis auf Weiteres vorrangig privaten Anbietern überlassen bleiben. Die regionale Gesundheitsbehörde ARS hatte stets betont, es werde keinen „Wettstreit zwischen privaten Dienstleistern und dem öffentlichen Gesundheitswesen (Serviço Nacional de Saúde) geben“; beide sollten sich ergänzen und somit alle Gruppen der Gesellschaft bedienen. Doch die Privaten, die auf Expansionskurs sind, wenden sich zunächst an ein zahlungskräftiges Publikum mit Gesundheits-, Heil- und Wellness-Tourismus, der auf die Bedürfnisse von Urlaubern zugeschnitten ist. Komfortwohnanlagen (residências assistidas) zur medizinischen Betreuung und Versorgung in heimischer Umgebung sind ein weiterer Mosaikstein in den Plänen der Medizinunternehmen. Bis ein solches Netzwerk entstanden ist, schließen die Kliniken Verträge mit regionalen Hotels: Rund einhundert Häuser kooperieren bereits mit den privaten Kliniken.Dieser Link ist leider nicht mehr erreichbar

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