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[Perspektive Portugal] Bittere Tropfen

Wer Arzneimittel in der Nachtapotheke holt, soll demnächst 2,50 Euro Servicezuschlag zahlen. Das sieht ein neues Gesetz vor, das jetzt in Kraft tritt. Ausgenommen davon sind Medikamente auf Rezept, sofern die Verordnung vom Tag der Abholung oder dem Vortag stammt. Um ihre Lizenz nicht zu verlieren, müssen Apotheken pro Woche mindestens 44 Stunden geöffnet sein und in jeden Fall muss eine eventuell eingeräumte Mittagspause zwischen ein Uhr und drei Uhr nachmittags liegen; ferner dürfen die Pharmazieläden werktags nicht vor 19 Uhr schließen, samstags erst ab dreizehn Uhr. Solche Regelungen seien notwendig, um besonders in weniger dicht besiedelten Gegenden ein ausreichendes Versorgungs-Angebot bereits zu stellen.

Doch der Apothekerverband (Associação Nacional das Farmácias; ANF) fürchtet, keine der Maßnahmen könne verhindern, dass im kommenden Jahr bis zu sechshundert Apotheken in Portugal für immer schließen. Gut 1.500 von ihnen sind in Zahlungsverzug gegenüber den Lieferanten, davon droht bereits jedem Dritten der Besuch des Gerichtsvollziehers. Der Nachtzuschlag reiche nicht. Die Apotheker zitieren eine Studie der Lissabonner School of Business and Economics an der Universidade Nova de Lisboa. Darin heißt es, um ohne Verluste zu arbeiten, müssten Apotheken statistische 2,34 Euro pro Rezept erhalten oder 94 Cent pro abgegebener Arzneimittel-Packung.

ANF-Präsident João Cordeiro spricht von einem „Kollaps“, der den Pharmazeuten drohe, begründet in der „Vielzahl zum Teil widersprüchlicher Regelungen der Regierungen in den letzten drei Jahren“, die unüberlegt gemacht worden seien und die Verknüpfung der Medikamentenversorgung von Kliniken mit der ambulanten Versorgung durch Apotheken nicht berücksichtigten. Letztere hätten durch veränderte staatliche neue Finanzierungsmuster in zwei Jahren über 730 Millionen Euro Umsatz eingebüßt und durch Streichung bei den Zuschüssen der Sozialversicherung zur Rezeptgebühr weitere sechshundert Millionen. Notärzte, Krankenwagen, Polikliniken und andere Organe des Gesundheitssystems hätten sich beim Einkauf in Apotheken 130 Millionen gespart, dafür aber 186 Millionen Euro mehr als vorgesehen in Kliniken ausgegeben.
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