Algarve für Entdecker Covid-19-Pandemie: Schwierige Lage in ganz Portugal

Dieses Thema im Forum "Algarve für Entdecker Nachrichten" wurde erstellt von Algarve für Entdecker, 13. März 2020.

  1. Die Algarve hat nun fünf bestätigte Fälle der neuen Lungenerkrankung Covid-19. Das bestätigte die Generaldirektion für Gesundheit am Donnerstag, 12. März. Alle Erkrankten stammen aus der 56.000 Einwohner zählenden Kreuzfahrthafenstadt Portimão. In ganz Portugal stieg die Zahl der nachweislich am Coronavirus Erkrankten auf 78.

    Schulen in Portugal vorerst geschlossen
    Die portugiesische Regierung will ab kommenden Montag, 16. März, alle Schulen geschlossen halten. Das wurde am Donnerstagabend bekannt. Die Schließung solle vorerst bis Ende März dauern, hieß es. Praktisch könnten die Schulen damit etwa einen ganzen Monat außer Betrieb bleiben, da vom 30. März bis 13. April die regulären Osterferien stattfinden.

    Erstmals ein infizierter Corona-Patient geheilt

    Inzwischen konnte erstmals ein infizierter Corona-Patient das Krankenhaus verlassen. Es handelt sich um einen der ersten Erkrankten in Portugal. Er wurde im Lissaboner Hospital São João behandelt. Schlechte Nachrichten gab es allerdings für die portugiesischen Fussball-Fans: Die Spiele der ersten und zweiten Liga wurden am Donnerstag für unbestimmte Zeit ausgesetzt. Das betrifft auch Begegnungen, die am kommenden Wochenende als so genannte Geisterspiele, also ohne Zuschauer in den Stadien, geplant waren.

    Von den 78 mit dem neuartigen Coronavirus Infizierten leben 44 im Norden des Landes und 23 im Großraum Lissabon. Im Alentejo, auf den Azoren und auf Madeira gibt es nach wie vor keine Fälle der neuen Coronavirus-Krankheit. Im ganzen Land warten 133 getestete Personen auf Laborergebnisse. Insgesamt gibt es in Portugal derzeit 637 Verdachtsfälle und 4.923 Personen werden medizinisch überwacht. Spanien meldete am Donnerstag knapp 3.000 Infizierte, etwa die Hälfte davon leben im Raum Madrid. In Andalusien gibt es 115 Fälle. Bislang sind in Spanien 84 Menschen an der Covid-19-Lungenkrankheit gestorben.

    An der Algarve sind zwei Lehrer, zwei Schülerinnen und ein Vater infiziert
    In der Algarve-Stadt Portimão mit dem Erreger infiziert sind eine 16-jährige Oberschülerin, deren Mutter – eine Pädagogin aus der Grundschule EB 2,3 José Busiel – und ihr Vater sowie ein Kollege der Lehrerin und eine 17-jährige Jugendliche aus der Klasse der Schülerin aus der Oberschule Manuel Teixeira Gomes.

    Beide betroffenen Schulen sind seit dem Wochenende geschlossen. Die Stadtverwaltung von Portimão rief die Schülerinnen und Schüler dieser Einrichtungen dringend dazu auf, in ihren Wohnungen zu bleiben, möglichst nicht auf die Straße zu gehen und ansonsten die üblichen Vorsichtsmaßnahmen zu befolgen. Damit solle aktiv zur Prävention und Eindämmung der Covid-19-Krankheit in Portimão beigetragen werden.

    Sehr schwierige Situation in Portimão

    Weitere Maßnahmen und Empfehlungen, die Bürgermeisterin Isilda Gomes am Donnerstag wegen der „sehr schwierigen Situation“ verkündigte:
    • Bars und Nachtclubs müssen um 23 Uhr schließen
    • Restaurants, Kneipen und Straßencafés müssen für "größtmöglichen Sicherheitsabstand zwischen den Tischen" sorgen
    • Unterbrochene oder reduzierte Aktivitäten in Turnhallen. Dort werden Hygiene und Belüftung intensiviert
    • Geschäfte dürfen maximal zehn Kunden gleichzeitig einlassen
    • Vermeidung von "Menschenmassen" auf großen Flächen wie Strände, Spielplätze, Parks Einkaufszentren, Kinos usw.
    • "Sicherheitsabstände“ auch auf Parkplätzen
    • Bereitstellung von Desinfektionsmitteln in öffentlichen Gebäuden
    Die Bürgermeisterin kündigte finanzielle Hilfen für stark betroffene gastronomische Betriebe an. Beispielsweise sollten Straßencafés für die Zeit der Einschränkungen von der Zahlung örtlicher Steuern befreit werden. Zu mutigen Maßnahmen gebe es keine Alternative, so Gomes: „Wenn wir das Coronavirus nicht innerhalb von ein oder zwei Monaten stoppen, wird sich die Krise über den Sommer hinziehen, und dann werden wir alle ein sehr ernstes Problem haben". Gleichzeitig rief die Kommunalpolitikerin zur Besonnenheit auf:

    „Es hat keinen Sinn, dass wir alle zu den Apotheken und Supermärkten laufen und denken, dass die Welt morgen untergeht. Sie geht nicht unter".

    Auch Albufeira schloss Kultur- und Sporteinrichtungen

    Das Rathaus der Stadt hatte bereits in der ersten Wochenhälfte vorsorglich umfangreiche Eindämmungsmaßnahmen ergriffen und Museum, Bibliothek, Schwimmbäder und die Arena, das Veranstaltungszentrum der Stadt am Fluss Arade, geschlossen. Die besonders bei britischen Reisenden beliebte Touristenhochburg Albufeira schloss sich am Mittwoch dieser Maßnahme an. Die entsprechenden Einrichtungen dort bleiben zunächst bis kommenden Dienstag für den Besucherverkehr gesperrt. Inzwischen stellte das Rathaus "zum Schutz seiner Mitarbeiter und der Bevölkerung" seinen persönlichen Service für die Bürger komplett ein. Diese könnten aber weiter über Telefon und E‑Mail mit den Beamten korrespondieren, hieß es. Gleichzeitig rief Bürgermeister José Carlos Rolo zum gelassenen Umgang mit der Situation auf.

    Faro setzte alle von der Stadtverwaltung organisierten oder unterstützten Veranstaltungen aus, darunter die vierzehntäglich stattfindenden Märkte. Das Ausbildungszentrum des Arbeitsamtes in Faro wurde vorsorglich am Mittwoch geschlossen, nachdem eine Teilnehmerin mit Infektionssymptomen wie hohem Fieber ins Krankenhaus gehen musste. Das Ergebnis der Laboranalyse war jedoch negativ, so dass das Bildungszentrum am kommenden Montag wieder öffnen wird.

    Einen aktuellen Überblick über abgesagte Events und ergriffene Maßnahmen an der Algarve und im Alentejo vermittelt das regionale Magazin Sul Informação mit einer Infografik auf seiner Webseite.

    Portugals Hotellerie und Immobiliensektor beklagen Einbußen

    Der portugiesische Hotelverband (AHP) rechnet nach einer am Donnerstag vorgestellten Mitgliederumfrage allein für die Zeit zwischen 1. März und 30. Juni 2020 mit Einbußen zwischen 500 und 800 Millionen Euro. Die geschätzten Umsatzrückgänge wurden güngstigstenfalls auf 30 Prozent veranschlagt, dürften im negativen Fall aber bei 50 Prozent liegen.

    Der Verband der Immobilienfachleute und ‑unternehmen Portugals (APEMIP) berichtete am Donnerstag, Folgen der Covid-19-Pandemie zeigten sich bereits auch im Immobiliensektor des Landes. Insbesondere kleine bis mittlere Unternehmen gerieten in Schwierigkeiten, sagte Präsident Luis Lima und forderte staatliche Unterstützung.

    Madeira empfängt vorerst keine Kreuzfahrtschiffe mehr

    Die Bezirksregierung der Insel Madeira setzte unterdessen alle Genehmigungen zum Anlegen von Kreuzfahrtschiffen und Yachten in den Häfen und Marinas des Archipels aus. Bis Ende März waren dort 23 Kreuzfahrtschiffen mit etwa 50.000 Gästen erwartet worden. Ab Freitag soll zudem auf den Flughäfen Funchal und Porto Santo die Körpertemperatur der ankommenden Passagiere und Besatzungsmitglieder kontrolliert werden. Die Kommune Funchal riegelte mehrere Strände ab: Lido, Ponta Gorda, Poça do Gomes – Doca do Cavacas und Barreirinha. Vorbeugungsmaßnahmen für die kommunalen Märkte wurden verstärkt, öffentliche Veranstaltungen auf die Zeit nach dem 31. März verschoben.

    Auf den Azoren wird die vom 26. bis 28. März geplante Azoren-Rallye nicht stattfinden. Die Veranstalter der Rallye-Europameisterschaft (ERC) nannten noch keinen neuen Termin für das Rennen.

    Krankenhäuser verbieten Patientenbesuche

    In Lissabon bestätigte das Centro Hospitalar Universitário Lisboa Norte (CHULN) am Mittwoch, dass bei zwei Krankenhaus-Patienten der neue Coronavirus diagnostiziert wurde. Sie wurden sofort isoliert und sind in intensivmedizinischer Behandlung. Für die Stationen, auf denen die beiden Erkrankten zuvor waren, wurde ein Aufnahmestopp verhängt. Für alle übrigen Personen der Einrichtungen wurden Labortests durchgeführt. Patienten des Krankenhauses Amato Lusitano (HAL) in Castelo Branco dürfen seit Donnerstag nur noch einen Besuch pro Tag bekommen, legte die Verwaltung fest.

    In Coimbra registrierte das Universitätskrankenhaus eine erste Coronavirus-Infektion während einer Isolation. Patientenbesuche in allen Abteilungen wurden vorübergehend ausgesetzt. Ausnahmen gibt es nur bei erkrankten Kindern und schwangeren Frauen mit Wehen. Die Verwaltung der Universitätsstadt schloss bis zum 3. April alle städtischen Einrichtungen, sagte öffentliche Veranstaltungen der Kommune ab, setzte Messen aus und verstärkte die Desinfektion von Fahrzeugen des städtischen Nahverkehrs.

    Das Universitätsklinikum von São João im nordportugiesischen Porto setzte am Donnerstag Konsultationen durch externe Patienten bis zum 31. März aus. Bis zu diesem Termin soll es auch keine Operationen, Tagesklinikbehandlungen und ergänzende Diagnose- und Therapie-Maßnahmen für nichtstationäre Kranke mehr geben.

    Im Bezirk Aveiro musste am Donnerstag ein zweites Zentrum für Familien-Gesundheit geschlossen werden. Ursache war ein weiter Infektionsfall in Ovar in Zusammenhang mit Covid-19.

    Kurzinformationen zur Coronavirus-Lage in ganz Portugal und an der Algarve

    Ostern

    Der katholische Bischof der Algarve, D. Manuel Quintas, erwägt, alle religiösen Aktivitäten der Karwoche mit mehr als 5.000 Personen unter freiem Himmel, 1.000 Personen in geschlossenen Räumen und 150 Personen bei kleineren Zusammenkünften abzusagen oder zu verschieben. Das teilte der Geistliche in einer Pastoralnote mit. Er stellte damit Karfreitags-Prozessionen und andere Feiern auf den Prüfstand, will eine endgültige Entscheidung aber erst nach einer späteren Neubewertung der Lage treffen. Bei den traditionellen Bußfeiern ist Quintas bereit, gegebenenfalls von Einzelbeichten abzusehen und im genehmigten Einzelfall die Absolution allgemein erteilen zu lassen.

    Bildung/Kultur

    Der Regionalverband der Elternvereinigungen (FRAPAL) der Algarve hat sich am Donnerstag für die Schließung von Schulen ausgesprochen, um die Ausbreitung des neuen Coronavirus minimieren zu helfen. Der Aufenthalt der Jugendlichen können dann auf Orte mit weniger sozialen Kontakten begrenzt werden. Der Verband räumte ein, dass dieses Szenario "für viele Familien sehr kompliziert sein könnte". Es werde aber von allen eine gewissenhafte Anstrengung und ein Opfer erforderlich sein.

    Das Polytechnische Institut von Porto mit seinen rund 18.300 Studierenden an drei Standorten hat am Donnerstag seine Lehrtätigkeit unterbrochen. Zunächst gilt dieser Schritt bis zum 27. März. Noch am Mittwoch hatte die Rektorenkonferenz der portugiesischen Universitäten (CRUP) eine Schließung ihrer Einrichtungen abgelehnt, sofern nicht gesundheitliche Gründe dies zwingend nahelegten.

    Doch auch die Universität Beira Interior (UBI) kündigte am Donnerstag an, ab Montag für unbestimmte Zeit den Lehrbetrieb aussetzen, um die mögliche Ausbreitung von Covid-19-Erkrankungen zu bremsen. Das Polytechnische Institut von Beja im Alentejo hatte am Mittwoch lediglich "eine Reihe von Präventions- und Kontrollmaßnahmen" bekanntgemacht. Es riet lediglich vom Besuch von Veranstaltungen ab, die außerhalb der Einrichtung stattfinden.

    Das Lissaboner Instituto Superior Técnico beschloss unterdessen, wegen eines begründeten Verdachtsfalles die Aktivitäten an seinen Standorten Alameda und Taguspark bis Sonntag auszusetzen.

    Die Privathochschule ISMAT in Portimão sagte wegen des Covid-19-Ausbruchs in der Stadt alle Präsentzveranstaltungen, Prüfungen, wissenschaftlichen Veranstaltungen und Besuche bis zum 24. März ab.

    Der nationale Rat für öffentliche Gesundheit kritisierte, dass in Portugal gelegentlich Schulen, Museen und andere Einrichtungen ohne vorliegende Anordnung der Gesundheitsbehörden und ohne Einhaltung gesetzlicher Kriterien geschlossen würden. Das Gremium bat die Regierung sicherzustellen, dass solche Maßnahmen ausschließlich von der Gesundheitsbehörde und nicht willkürlich und örtlich uneinheitlich veranlasst werden.

    Die Verwaltung der Alentejo-Stadt Almodôvar hatte zum Beispiel beschlossen, im Dorfkindergarten den Tanzunterricht auszusetzen, den eine Lehrerin aus der Algarve durchführt. Auch Fahrten mit dem Autobus der Gemeinde wurden gestrichen. Außerdem setzte die Kommune das Internationale Theaterfestival des Alentejo und die Filmvorführungen des Cineteatro Municipal wegen des Ausbruchs von Covid-19 aus.

    Gesundheitswesen

    Mehr als tausend Ärzte reagierten innerhalb von 24 Stunden positiv auf den Appell von Miguel Guimarães, dem Präsidenten der portugiesischen Ärztekammer, mit der die Reaktionsfähigkeit des nationalen Gesundheitsdienstes bei der Bekämpfung der Covid-19-Krise gestärkt werden soll. Es handelt sich um Mediziner, die nicht zum öffentlichen Dienst gehören, und um Ärzte im Ruhestand.

    Justiz

    Der Präsident des Obersten Gerichtshofs von Portugal, António Piçarra, bat am Donnerstag um Verständnis für die Entscheidung, die Räumlichkeiten für 14 Tage geschlossen zu halten. Es würden jedoch weiterhin Eilverfahren durchgeführt.

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